Xplorer 2008 - The Wanderer


  • Einleitung:


    Die Glücksache beim Verfassen von Einleitungen ist immer das richtige Timing. Zum einen sollte man ja noch nicht zu viel verraten, damit Ihr auch brav mitlest. Zu anderen sollte ich schon ein Stückchen geflogen sein, da es sich in der Vergangenheit leichter schreiben lässt und weiters – ein wesentlicher Faktor – sollte man sie dann schreiben, wenn man sich sicher ist, dass man auch das Projekt durchziehen wird.


    Letzteres ist leichter gesagt als getan, denn das ist mittlerweile der dritte Start der 2008-Tour. Motivation ist ein wichtiger Faktor, viel Phantasie (denn im Grunde spielt sich das alles nur im Kopf ab), eine geduldige Ehefrau und gute Bücher im virtuellen „Handgepäck“.


    Ihr denkt, das reicht? Nicht ganz! Bevor man den Starter betätigt sollte man noch ein paar Kleinigkeiten mit einbeziehen:


    1. Eine grobe Idee von der Route: In diesem Fall war für mich klar, dass es in eine andere Richtung gehen soll als im letzten Jahr. Ich dachte da erst an die von Simmern vergessene und vom FSX vernachlässigte Gegenden wie Russland, die Mongolei etc. Von den Bushpilots weiß ich, dass es gute russische Seiten gibt, die sicherlich einiges zur Szenerieverschönerung beigetragen hätten. Nur reicht mein Russisch gerade mal zum Bestellen einer Mahlzeit. Geflogen bin ich letztendlich woanders.


    2. Die Wahl der Software: Damit meine ich auch den finanziellen Faktor. Klar habe ich im vergangenen Jahr das eine oder andere Softwarepaket geleistet (und wenn ich so zurück blicke, hat sich doch einiges getan seit dem Release des FSX), doch auch ich muss im Hobby diszipliniert vorgehen und sparen. Wer von Euch vielleicht (Freeware- oder Payware-)Produkte kennt, die auf der jeweiligen Route eingesetzt werden hätten können, der kann das gerne in den Kommentaren posten. An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an die Sponsoren, die durch ihre Hilfe meinen Etat für die Reise schonten.


    3. Logischerweise auch die Wahl der Hardware: Mittlerweile saß ich schon an drei verschiedenen Rechnern. In diesem Sinne also nicht nur eine virtuelle Reise, sondern auch eine mit Öffis und Auto. Meine ständigen Begleiter auf diesen Exkursionen waren ein Memorystick, ein iPod-Shuffle, ein gutes Buch, die Monatsdauerkarte der Wiener Linien und mein Skript der gesamten Tour. „Meine“ Goose war stets auf meinem Memorystick und konnte jederzeit auf einem FSX auf die Schnelle auf jedem beliebigen Rechner installiert werden. Das war vor allem für die Filmaufnahmen und größeren Szenerien notwendig.


    4. Die Wahl des Flugzeuges: Ihr werdet lachen: es gäbe ja schon wieder eine neue Catalina zum Betatesten – sogar vom selben Vertreiber. Ich zog aber aus dem letzten Test meine Lehren und beschloss ein bugfreies Flugzeug zu nehmen, das mich nicht im Stich lässt. Nach kurzem Überlegen fiel die Wahl dann auf eine foolproof Default-Maschine: Die Grumman Goose G-21A des FSX-Deluxe. Mit ihr wird die Hauptlast der Flüge durchgeführt, doch sicher nicht alle. Das Repaint sollte ein Unikat sein – daher musste ich selber Hand anlegen. Die Paintgurus unter Euch mögen mir das verzeihen.


    5. Und dann habe ich noch einen weiteren Punkt: Die Wartung. Damit meine ich nicht die der Goose, denn die fliegt – zumindest bis jetzt – einwandfrei. Ich bin mittlerweile in Glacier Bay und habe den FSX wegen der Datenmenge seit dem Start in Wien schon dreimal neu aufsetzen müssen. Auch wenn das umständlich sein mag: Auf diese Weise sichere ich wertvollen Arbeitsspeicher, der dann nicht von anderen unnötigen AddOns blockiert wird.


    Und im Reisegepäck hatte ich diesmal jede Menge dieser AddOns, welche innerhalb des letzten Jahres auf den Markt kamen. Das ist natürlich auch eine Frage des Geschmacks und in weiterer Folge des Geldes (auch davon habe ich nicht zu viel, ich muss auch sparen).
    Gute FSX-Freeware ist leider selten und wenn, dann schwer zu finden. Ich verließ mich daher auf bewährte Payware:


    AustriaProX
    VeniceX
    FSGlobalX
    Scenery Tech – Europe Landclass
    Scenery Tech – Asia Landclass
    Scenery Tech - North America Landclass
    Aerosoft - Lukla
    Aerosoft - Twin Otter
    FlyTampa - Kai Tak
    FSHeli - Alouette II
    Holger Sandmann - Bella Coola


    Wie Ihr vielleicht schon aus der Einleitung entnehmen könnt wird dieser Thread (zumindest meine Beiträge) etwas länger und nicht eben etwas für die schnelle Mittagspause. Es gibt viel zu Lesen, also nehmt Euch auch die entsprechende Zeit dafür. Ich poste absichtlich in den Wintermonaten, damit Ihr was für das schlechte Wetter habt.
    Über 11000 Hits beim letzten Xplorer 2007 zeigen mir, dass dieses Konzept von Euch angenommen wurde. In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Geduld und Spaß auf dieser virtuellen Reise, bei der die Fliegerei im Flugsimulator nicht unbedingt im Vordergrund steht.


    Euer Malloy

  • Erstes Kapitel: In die Heimat des schwarzen Ritters



    10 Jul 2008: Schwechat (LOWW) – Wolfgangsee (Wasserlandung)


    Es war schon ein komisches Gefühl, so über den virtuellen Tarmac zu schlendern mit dieser Idee, noch einmal so ein großes Abenteuer zu starten. Obwohl ich für das gesamte Unternehmen eigentlich keine Zeitgrenze setzte, hatte ich es schon bis zum Start ein bisschen eilig:


    Klar, die Goose ist eine (bugfreie) Defaultmaschine, aber für die Tour wollte ich eine Sonderlackierung. Weil ich nur ein Einzelstück haben wollte musste ich mir selber ein Paint erstellen, und das innerhalb kürzester Zeit. Der Grund für den gekünstelten Stress war der, dass an diesem Wochenende die Scalaria 2008 am Wolfgangsee statt fand. Dort wollte ich wenigstens virtuell mit der meinigen Goose dabei sein. Für das Repaint hatte ich gerade einmal zwei Tage Zeit.



    Das ging dann zwar auch Kosten der Qualität, aber irgendwie mal wieder typisch (die Arbeitsweise der Firma färbte schon ab auf mich!). Die Farbe war noch mehr oder weniger feucht, als die Maschine betankt wurde. Nach vielen Rundumgängen kraxelte ich dann schließlich in die G-21 und freundete mich mal mit dem Cockpit an.
    Ein paar virtuelle Flugstunden hatte ich zwar schon aufgrund der Missions sammeln können, aber so richtig auseinandergesetzt hatte ich mich mit der Dame noch nicht.


    Spät am Nachmittag ließ ich dann die Motoren zum ersten Mal an. Ein Blick aus dem Bürofenster reichte um zu wissen, dass ich bestes Wetter haben würde. Also noch vor dem Start das Wetterupdate (alle 15 Minuten geladen) geholt und dann ging es auch schon raus auf die Startbahn.



    Multiplay war nicht aktiviert, demnach gab ich mir selber die Starterlaubnis und war innerhalb weniger Minuten airborne. Über die Raffinerie von Schwechat hinweg hielt ich die Maschine recht tief auf das Zentrum der Bundeshauptstadt zu und knipste mir virtuell die Finger wund.



    Nach all den Sehenswürdigkeiten der Innenstadt schwenkte ich etwas leicht nach rechts zur Donau und hielt mich dieser entlang flussaufwärts. Vorbei an Tulln und Krems durchflog ich diesmal die Wachau, die ich Euch bei der "Tu Felix Austria"-Tour ja vorenthalten hatte.



    Ich passierte Dürnstein, wo Richard Löwenherz von Herzog Leopold V festgehalten wurde, bis sich England das entsprechende Lösegeld leisten konnte. Im Nachhinein gesehen ging das für den Inselstaat ja gut aus, denn sein Bruder John konnte in der Zwischenzeit an der Magna Carta arbeiten. Richie wurde eigentlich nur durch gute Presse und Schauspieler so populär, in der Realität zettelte der nämlich mehr Kriege an als so mancher US-Präsi.


    Apropos Dürnstein: Falls jetzt jemand denkt, dass ich mit dem schwarzen Ritter Sir Wilfred Ivanhoe meinte (selbst das ist nur eine Romanfigur, geschaffen von Herrn Scott im Jahre 1820), der hat sich gewaltig geschnitten: es ging nicht (schon wieder) nach England!



    In Linz ließ ich dann die Donau Donau sein und folgte weiter dem Verlauf der Traun. Kann sich noch jemand an den Shot von Markus erinnern, den er für den Ratespiel: Wo bin ich denn wohl?-Thread von Linz einstellte? Den machte er damals von Norden aus. Ich hatte es nicht erraten, obwohl ich gerade mal ein paar Tage vorher dort im FSX vorbei geflogen bin… :bonk::)



    Zu meiner Linken kamen die Berge des Salzkammerguts immer näher. Der Wolfgangsee lag etwas südwestlich von mir, doch schon am Attersee entfernte ich mich von der A1 und folgte dem See südwärts.
    Verfliegen war hier absolut ein Ding der Unmöglichkeit. Am Ende des Attersees liegt der Schafberg (1782m) und der musste einfach nur umflogen werden, denn der Wolfgangsee lag auf dessen anderer Seite.



    Wasser ist selbst in Österreich ein kostbares Gut und solche Außenlandungen in Wasserspeichern sind alles andere als eine bürokratische Leichtigkeit. Den Veranstaltern der Scalaria hatte ich allerdings voraus, dass ich im FSX keinen anderen als mich um Erlaubnis fragen musste.



    Die erste Landung dieser Tour war also eine Wasserlandung, so wie es sich für ein Amphibian schließlich auch gehört. Einquartiert habe ich mich allerdings im „Weißen Rössl“, nicht im Scalaria-Hotel. Da standen mir einfach zu viele Nobelkarossen herum…




    14 Jul 2008: Wolfgangsee (Wasserstart) – Venedig, San Nicolo (LIPV)


    So, ein tolles Wochenende in St. Wolfgang war vorüber und der Alltag hatte mich wieder. Der Montag war stressig genug. Umso mehr freute ich mich den Nachmittag: Das Ziel lag weit im Süden, und dieses hatte ich gerade erst Ende April zum ersten Mal besucht – Venedig.



    Hier Am Wolfgangsee hing noch immer der Regen (die Heimfahrt am Tag davor war alles andere als gemütlich) und so flog ich erst nach Salzburg und von dort aus über den Pass Lueg das Salzachtal hinauf bis Lend. Herr Stuber gab hier vor langer Zeit den bayrisch-französischen Truppen eins auf den Deckel und etwa 130 Jahre später wäre Pass Lueg übrigens eine der Schlüsselstellen der Alpenfestung gewesen, wenn die Achse damals (Gott sei Dank!) nicht W.O. gegeben hätte. Noch heute ist die Verteidigung des Passes eines der Schulbeispiele in Wiener Neustadt – das Teil ist so gut wie unpassierbar, wenn … egal!



    Vorbei am Tennengebirge (wo bleiben eigentlich die Austrian Airports für den FSX?), Bischofshofen, St. Johann i. Pongau eben bis Lend und dann das Gasteinertal hinauf. Ohne Flugzeug müssten jetzt die, die nach Kärnten wollten, ihr Auto auf den Zug verladen. Es gibt hier keine vernünftige Passstrasse.



    Ich überflog den Nationalpark Hohentauern und hielt die Goose talabwärts bis Villach. Dort folgte ich der A2 entlang, die ab der italienischen Grenze unter dem Namen E55 (oder eben A23 für die Italiener) geführt wird.




    Jo, so flog ich immer über der Autobahn bis zum Dreieck mit der A4 (oder E55) und schlug einen Kurs nach Westen ein. Wie eingangs schon erwähnt kann man sich hier einfach nicht verfliegen: Ich musste mich nun ja nur noch nach der Küste halten. Nach einem guten halben Stündchen fand ich schon den Marco Polo Flughafen und ab hier begann dann die Diashow auf meinem LapTop, als ich auf die Lagune zusteuerte.



    Über die Performance von Venedig will ich mich gar nicht beschweren. Ich bin noch immer so was von froh, dass sich Andraz Kozma so viel Mühe gab und so dermaßen ins Detail ging. So sehr sich vielleicht der eine oder andere sich wegen der vielen Touristen vor einem Besuch sträubt: man muss einmal dort gewesen sein (und es hat ja auch einen Grund, warum so viele Touristen dorthin fahren, oder?).
    Ich sammelte dort so viele Idee und Locations für einen FSX-Krimi – die Szenerie wäre dafür bestens geeignet (das Projekt fiel allerdings wieder).



    Na klar ging ich wieder in den Tiefflug, folgte dem Canale Grande, überflog die Rialtobrücke und passierte den Markusplatz mit dem Dogenpalast. Hie und da hatte ich ein paar Flash-backs vom Urlaub, das war einfach noch zu kurz her. Lassen wir das Thema! [url=http://www.youtube.com/watch?v=IqA91fn2UTQ&eurl=http://www.aerosoft.de/cgi-local/rd/iboshop.cgi?showd,,10242]Seht einfach selbst![/url]



    Gelandet bin ich dann in San Nicolo, einem kleinen Flugplatz auf der Insel Lido - auch in der Szenerie von Aerosoft umgesetzt. Die Kulisse passte viel besser zur Goose und der Weg durch die schmalen Gassen zum Taxiboot steigerte meine Vorfreude auf ein gemütliches Abendessen umso mehr!

  • 16 Jul 2008: Venedig, San Nicolo (LIPV) – Sarajevo (LQSA)



    Den nächsten Etappenverlauf plante ich bei einem Frühstück unter italienischer Sonne. An diesem Tag sollte es über die Adria nach Sarajevo gehen. Noch einmal flog ich nach dem Start eine kleine Ehrenrunde und freute mich über den Schiffsverkehr und die Züge, die von Venezia S. Lucia über die Ponte dell´Libertà zum fünf Kilometer entfernten Festland fuhren.



    So schön es hier auch im FSX dargestellt wurde, die Welt birgt noch andere schöne Orte und es wurde an der Zeit, einen Ostkurs einzuschlagen. Bald war ich über der Adria und steuerte auf die kroatische Küste zu. Pula ließ ich unter mir und ein paar kleine Einheiten später war vom Meer auch nichts mehr zu sehen, da ich mich durch die bosnischen Täler schlängelte.



    Noch am selben Tag leistete ich mir die Landclass von Scenery Tech und war etwas nervös, ob sich das denn auch mit FSGlobal vertragen würde. Wer gibt denn schon gerne Geld aus, wenn die Szenerie vorne und hinten nicht zusammen passt? Ich hatte diesmal enormes Glück: dem Flugspass über neuem Terrain stand nichts im Wege.



    Wie gesagt war Sarajevo das Etappenziel. Von der Stadt hörte ich zum ersten Mal 1984, als dort die olympischen Winterspiele abgehalten wurden. Ich schaute damals die Wettbewerbe nicht wegen der Medaillen, sondern wegen der Zwischeneinblendungen mit dem Vučko – dem Maskottchen der Spiele.



    Fast ein Jahrzehnt später gelangte die Stadt fast täglich in die Schlagzeilen durch den Bürgerkrieg. Der Anflug soll ja schon in Friedenszeiten schwierig sein, doch als die UNPROFOR damals die Luftbrücke (übrigens die drittgrößte der Geschichte) aufzog, da waren die Piloten auch noch dem Bodenfeuer ausgesetzt.
    Mittlerweile floss aber schon wieder viel Wasser die Enns hinunter und so manche Mitleser hier werden sich nicht einmal mehr an die frühen 90er erinnern können, also lasse ich das Thema und will Euch damit nicht mit etwas voll labern, das keinen mehr tangiert. Passiert eh genug in der Welt.



    21 Jul 2008: Sarajevo (LQSA) – Athen, Hellinikon (LGAT)


    So Weltumrundungen haben es ja bekanntlich in sich. Das ist keine Angelegenheit, die in einer Woche erledigt ist. Beim vergangenen Xplorer 2007 war meine Motivation ja eigentlich der Betatest (ich wusste anfangs einfach nicht, wo ich denn während der Tests hinfliegen sollte) und am Ende dann die Möglichkeit, mit der Tour fertig zu werden, bevor die Catalina PBY released würde (und auch niemals mehr wurde) – nur um noch enttäuschter sein zu können.



    Diesmal geht es aber um gar nichts, nur um die Tatsache, wieder in die virtuelle Welt hinaus zu fliegen. Das einzige, was da dazuwischen kommen könnte wäre jetzt eventuell fehlende Motivation oder Stromausfall, sonst nix.


    Selbstverständlich bin ich schon wesentlich weiter als Ihr vermutet – ich habe lieber schon etwas in der Hand, wenn ich schon so ein großes Projekt wieder vom Stapel lasse. Was mich allerdings überrascht ist die Tatsache, dass ich noch keinen einzigen Flug wegen schlechten Wetters absagen musste. Ich musste zwar einmal „runter“, weil es wettermäßig einfach nicht mehr ging, aber sonst verlief das Meiste ohne (große) Zwischenfälle.


    Auch dieses Mal startete ich bei bestem Sonnenschein und flog von Sarajevo aus südwärts nach Serbien. Wie für viele von Euch ist dieser Fleck der Erde für mich absolut unbekanntes Terrain. Ich war mit meinen Eltern hier nie auf Urlaub und als ich es mir selber hätte leisten können, da war von der Balkanregion nicht mehr viel übrig.



    Umso erstaunter war ich dann über die schöne Route, die ich mir zufällig ausgearbeitet hatte. Die zusätzlich installierten Mesh- und Landclass-Szenerien machten den Flug zu einem absoluten Vergnügen. Im Tiefflug ging es durch Täler, über Dörfer und Seen und über Grenzen, die ich sonst nur aus 10 000 Metern Höhe kannte.



    Erst in Griechenland wurde mir die Gegend wieder etwas vertrauter, weil mich das schon von der Geschichte her interessierte. Ein Blick auf die Karte und ein Vergleich mit dem Internet reichten, um die Route zwecks Sightseeings ein wenig abzuändern.


    Zwei Destinationen peilte ich an. Zum ersten den Thermophylen Pass, bei welchem die spartanische Armee das Heer der Perser lange aufhalten konnte. Auch wenn 300
    ein verfilmtes Comic zeigt, so wollte ich doch wissen, ob die Stelle denn wirklich so eng sei, dass man zur Verteidigung nur 300 Mann gebraucht hätte.



    Nun, Sage ist Sage. Im Flusi ist der Pass jedenfalls leicht aus zu machen und ich fliege befriedigt weiter nach Osten zu einer weiteren historischen Stelle: Das Feld von Marathon. Davon zu erzählen werde ich mir jetzt wohl sparen – das hat ja wohl schon jeder mal von Euch durch gekaut…



    So drehte ich bei nach Athen und flog die bisher zweite Olympiastadt meiner Tour an. Im FSX findet am nicht nur die Akropolis, sondern auch etwas nördlich davon das olympische Dorf. Fast pünktlich zum Sonnenuntergang landete ich in Hellinikon und freute mich schon auf ein gemütliches Abendessen.



    22 Jul 2008: Athen, Hellinikon (LGAT) – Istanbul, Atatürk (LTBA)


    Von Athen sollte die Route nun weiter zu den Nachbarn im Osten führen. Wie Ihr vielleicht wisst ist im FSX-Acce die Szenerie von Istanbul etwas verbessert, weil die Stadt die Kulisse für eines der Air-Races bietet. Ich fliege zwar gerne Missions, doch ich habe es nicht so mit den Rennen. Jedenfalls ein guter Grund, mal dort nach dem Rechten zu sehen und vor allem die Hagia Sofia aus der Nähe zu betrachten.



    Also drehe ich bald nach Norden und passiere noch einmal Attika etwas östlich von Marathon. Ich hielt auf die Ägäis und setzte den heiligen Berg von Athos als meinen nächsten Waypoint. Das Bild oben kennt Ihr ja schon aus dem Thread „Meine schönsten Screenshots aus dem Flugsimulator“. Das Repaint kommt da ziemlich gut hervor. Die Goose ist ja nicht gerade so elegant wie die PBY aus der letzten Tour, doch lieb gewonnen habe ich sie mittlerweile schon längst.



    Der heilige Berg ist dermaßen markant im FSX, dass es mich direkt wundert, warum ihn noch keiner im „Ratespiel: Wo bin ich denn wohl?“-Thread vorstellte. Soweit ich weiß handelt es sich bei dem Begriff Athos nicht nur um den Berg, sondern um die Halbinsel - eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status unter griechischer Souveränität. Frauen sind hier übrigens nicht erwünscht, sei das jetzt aus Erfahrung oder aus Angst. Das Verbot gilt übrigens auch für weibliche Tiere, nur Hühner und Katzen dürfen…
    Das regt zwar jetzt wieder die Frauen auf, die auch nur alles Mögliche versuchen, ihre Stöckelschuhe auf den Berg zu setzen. Ich frage mich nur „Wozu?“, denn dort gibt es mehr Klöster als Schuhgeschäfte in Paris.



    Für mich jedenfalls kein Grund zur Landung und so schwenkte ich mein Flugzeug nach Osten auf die Grenze zwischen Europa und Asien zu. Ziemlich geschichtsschwangeres Wasser, das ich hier querte. Wie oft haben sich hier schon die Griechen, Türken und Perser sich gegenseitig die Fresse poliert! Poseidon soll sich ja laut Mythologie von Samothráki aus die Schlacht um Troja angeschaut haben, der Couchpotato!
    Die Ägäis an sich hatte ich mir im Flusi ja etwas interessanter vorgestellt. Vielleicht hielt ich mich auch nur etwas zu weit nördlich. Jedenfalls war ich froh, dass die türkische Metropole immer näher und näher rückte.



    Ich war persönlich noch nie dort und wurde so neugierig, dass ich mich kurzerhand für eine Sightseeingrunde entschloss und die Stadt im Tiefflug erkundete. Ich muss sagen, dass hatte ziemlichen Flair für mich und auf meiner geistigen Liste machte ich eine weiteren Vermerk in der Kategorie „Orte, die ich einmal besuchen möchte!“.



    Und da war ich nun im ehemaligen Konstantinopel und ich erinnere mich an all das staubtrockene Gesülze vom oströmischen Reich, von den Kreuzrittern, die es den Amis in Bagdad gleich machten und die Hagia Sofia ausräumten, und und und. Also nichts wie ein taksi ergattern und ab zum Sightseeing!



    25 Jul 2008: Istanbul, Atatürk (LTBA) – Odessa (UKOO)



    Von Istanbul aus ging es weiter nach Norden. 30km entlang des Bosporus (diesmal unter den Brücken durch) schlängelte ich mich zum schwarzen Meer durch und querte dieses bis ich auf ukrainisches Festland stieß. Im Prinzip keine besonderen Vorkommnisse während des Fluges. Das war eher einer von denen, wo man nebenbei trainiert, ein Buch liest oder die Löcher in der Decke zählt.



    Das gewählte Ziel dieser Etappe war Odessa, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Wie ich in der Einleitung schon einmal erwähnte ist das ja bereits mein dritter Start der Xplorer-Tour. Der zweite war im Frühjahr mit der Twin Otter kurz nach deren Release. Chris war damals so freundlich und pinselte mir sogar eine besondere Livery.
    Über Prag, Berlin, Warschau und dem Tatragebirge ging es weiter in über die Karpaten.



    Leider löschte ich irgendwann einmal die Screenshots von der Tour mit der Twotter aus Platzgründen… Ihr hättet Euch bei der Stimmung kaputt gelacht...


    Auch ich steckte genau dort wegen des Wetters virtuell fest und konnte erst nach drei Tagen die Reise fortsetzen – bis eben Odessa, und dort blieb die Maschine dann auch liegen (Jörg hatte da eine Idee mit einer Story in der virtuellen Karibik – da wollte ich auch einen kleinen Beitrag leisten…).



    Mit der Goose wollte ich in Odessa eben mal bei der Twin Otter nach dem Rechten sehen! Die kleine Anekdote aus der Tour damals mit den Karpaten wollte ich Euch aber nicht vorenthalten, und das Thema „Twotter und Xplorer“ ist aber nicht ganz vom Tisch, keine Sorge!

  • 27 Jul 2008: Odessa (UKOO) – Baku (UBBB)


    Die folgende Etappe hatte es ziemlich in sich, denn als Ziel hatte ich Baku im Visier. Der Grund dafür war ganz einfach: Ein James Bond Film („The World Is Not Enough“), bei dem sich alles um eine Pipeline drehte und die Masse des Films dann eben in Baku spielte. Als ich den Streifen damals im Kino sah, da wusste ich nicht einmal, wo denn diese Stadt überhaupt liegt. Und als ich dann (damals) etwas mehr recherchierte, da wurde mir erst die Größe und Bedeutung dieser Metropole bewusst – ich war ganz schön verlegen.



    Der 27 Juli, an dem ich zu diesem Flug aufbrach, war ein typischer Sonntag. Aus Gewohnheit wachte ich sowieso um sieben Uhr auf, stellte mir einen Kaffee auf und richtete mir das Frühstück, während ich den Laptop hochfuhr und alles für den Flug vorbereitete.
    Ich startete bei leichtem Nebel in Odessa und war in wenigen Minuten über dem schwarzen Meer, wo ich dann gemütlich in meinem virtuellen Cockpit frühstückte.



    Mein erstes Zwischenziel war die Halbinsel Krim. Ich konnte mir zum ersten Mal ein Bild vor der Größe und Lage dieser gesamten Region machen. Die Halbinsel ist schon seit jeher von großer strategischer Bedeutung. Ich erinnere mich, dass ich einmal bei meinem Großonkel ein Buch über die auf der Krim stationierten Wehrmacht (damals ja heiß umkämpft) entdeckte und mit den Fotos überhaupt nichts anfangen konnte.
    Wenn ich meinen alten Oberstufenatlas noch hätte! Da waren nämlich all diese neuen Staaten hier um das schwarze Meer ein einzig roter Fleck auf der Karte, auf dem dick und fett UDSSR stand. Der Geographieunterricht war absolut westlich orientiert und das was hinter dem Eisernen Vorhang lag war nicht wichtig. Das ist viel blabla, ich weiß, doch ich möchte Euch vermitteln, warum ich diese Route wählte: Weil ich nämlich absolut keine Ahnung von der Gegend habe. Warum das alles also nicht mit dem Flusi erforschen?



    Von der Krim ging es dann über viel Wasser dem Kaukasus entgegen. Das Frühstück war schon längst verdaut und ich übergab die Maschine dem virtuellen Copiloten. Zeit, die Fenster daheim einmal auf zu reißen und die Hanteln zu schwingen – mit einem Auge immer auf dem Bildschirm, ob eh alles passt.
    Nach der Dusche gönnte ich mir eine zweite Tasse Kaffee und rief den Jörg über Skype an. Man besprach, wie wir bei den „Pilots“ weitermachen würden, private Neuigkeiten und einfach nur Tratsch.
    Ich selber befand mich bereits über dem Kaukasus und dank dem FSGlobal bot sich eine wunderschöne Landschaft dar. Immer wieder teilte ich meine Begeisterung dem Jörg mit, der mich schon belächelte.



    Wir sprechen noch immer von Juli. Was ich damals über den Kaukasus wusste? Hmm… da war einmal die Sage vom Goldenen Vlies, da waren Ölpipelines und unter anderem österreichische Beobachter stationiert, weil es da diese umstrittene Region Bergkarabach gab (liegt südlicher von Baku, das weiß ich jetzt auch). Und die Hauptstadt von Georgien wusste ich auch noch: Tiflis. Ah, und der höchste Berg Europas, je nachdem, wie man das sieht, liegt ja auch in der Gegend.



    Und dann brach im August auf einmal der Krieg aus… Mittlerweile ist die Krise ja schon wieder aus den Nachrichten verschwunden, aber ich hatte Bedenken, die Tour Euch in dieser Form überhaupt zu präsentieren. Ich besprach das mit Jörg, denn ich wollte auf keinem Fall bei Euch als „Battletourist“ gelten, nur weil ich dem Zufall zum Opfer wurde.
    Dass das nicht der einzige Zwischenfall auf der Reise sein würde, hatte ich auch nicht wissen können. Doch dazu später…



    Im Grunde war das einer der längsten Flüge, die ich an einem einzigen Tag absolvierte. Landschaftlich war es einfach nur schön, probiert das mal aus!
    Flugtechnisch kann man sich da nicht groß verirren, denn man musste ja nur der Bergkette nach Osten folgen und irgendwann würde man dann automatisch an das Kaspische Meer stoßen – und dort liegt dann eben Baku.


    Ein bisserl mehr habe ich mir von dieser Metropole im Flusi aber schon erwartet. Ich kann Microsoft ja nicht wirklich die Schuld dafür geben, dass in einem 40.- Euro teurem Spiel die ganze Welt nicht gleichwertig dargestellt werden kann, doch in dieser Gegend merkte ich doch schnell, dass der größte Teil der Kundschaft wohl nicht aus Aserbeidschan stammt…



    Ich vermisste die gewaltigen Raffinerien und Ölförderanlagen, die in „The World Is Not Enough“ so beeindruckend in Szene gesetzt wurden. Kein Grund also, hier länger zu bleiben als unbedingt nötig.



    28 Jul 2008: Baku (UBBB) – Beleuli North (UT1O)



    Gleich am nächsten Tag ging es weiter nach Osten über das kaspische Meer. Viel darüber zu berichten gibt es auch nicht wirklich. Da war eben Wasser unter mir, hinter mir und vor mir. Das Ziel war lediglich an diesem Tag den Aralsee zu erreichen. Wo ich aber landen würde, darüber war ich mir nicht so ganz im Klaren – da würde sich sicher was ergeben…



    An dieser Stelle könnte ich Euch erklären, warum ich die Tour nicht mehr online durchführe. Das hat alles so seine Vor- und Nachteile.
    Zum einen benötige ich die Pausetaste, damit die Landschaft für einen guten Screenshot auch etwas nachgeladen werden kann. Im Multiplay gibt es die Taste nicht. Dafür werden die Flüge auch schnell öd, weil die Gesellschaft von Mitfliegern fehlt. Bei der letzten Tour mit der Catalina hatte ich ja viele Gäste im Cockpit, wobei diese aber nichts davon hatten, weil diese die Betamaschine selber ja nicht hatten.
    Und dann war da ja noch der Faktor, dass nicht jeder Zeitgenosse von der guten Sorte ist und einem nur die Tour verbocken will. Ich erinnere mich noch an diesen Saftsack, der damals in Kanada mit seiner Lear mit mir kollidierte, weil er das ja sooo lustig fand. Und wegen dem stellte ich damals die Crashtoleranz auf Zero. Den gleichen Stunt hatten später ja noch andere ausprobiert und haben sich dann darüber gewundert, dass sie durch mich durchflogen.
    Viele verwechseln den Flusi leider mit einem Deathmatch.



    Irgendwann erreichte ich mitten in der Nacht den usbekischen Militärstützpunkt Beleuli, wo ich virtuell auf das Herzlichste empfangen wurde. Ich denke mal, die haben in Wirklichkeit dort noch nie eine Goose gesehen, ergo stellte ich mir das Empfangskomitee entsprechend neugierig vor. Den Stützpunkt hatte ich an diesem Abend jedenfalls nicht mehr verlassen, sondern bin in deren virtuellen Offizierskasino aufs Böseste abgestürzt…
    Denke aber auch nicht, dass ich was vom sonstigen Nachtleben in Beleuli versäumt habe: im FSX ist da nicht viel von einer Stadt zu sehen.



    17 Aug 2008: Beleuli North (UAFO) – Osh (UAFO)


    Und weiter geht es ins mir unbekannte Asien. Ich schlug einen Nordkurs zum Aralsee ein und flog dann exakt der Grenze zwischen Usbekistan und Kasachstan nach Osten.



    In der Schule hatte ich damals ja gelernt, dass der Aralsee der größte Binnensee der Welt sei.
    Aufgrund absolutem Raubbau und Misswirtschaft seit den Sechzigern wurde diese so einst wohlhabende Gegend eines der größten Umweltsünden der Gegenwart. Der Wasserspiegel ging von 54m auf 35m zurück, dass ganze Häfen, Schiffe und Werften sich nun tief im ausgetrockneten Landesinneren befinden. Wer sich den Tag vermiesen will, der kann sich ja diesen Film zu Gemüte führen.
    Ewan McGregor und Charlie Boorman kamen in „The Long Way Round“ von Norden her an den See. Die Bilder von dem Ausmaß dieser ökologischen Katastrophe bewegten mich sehr und so wollte ich wenigstens mal im Flusi dort vorbeischauen…



    Und dann ging es lange Zeit über eine Wüste, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte: Qyzylqum. Ich könnte das nicht einmal richtig aussprechen! In dieser Sandwüste gibt es zwar Gold und Erdöl, doch im Flusi habe ich ja nicht viel davon…
    Da kam jedenfalls lange nichts und als dann die ersten Siedlungen am Horizont auftauchten war ich schon etwas erleichtert. Ich meine: was hilft es, wenn Skype im Hintergrund läuft und keiner anruft?



    Auf der langen Geraden, die ich schon seit dem Aralsee nach Osten zog lag die usbekische Hauptstadt Taschkent. Das ist allerdings wieder ein Begriff, mit dem ich auch was anfangen kann, wenn auch nicht das Endziel der Etappe. Den dortigen Flughafen Uzhny überfliege ich und vollziehe den ersten Kurswechsel an diesem Tag.
    Gott sei Dank wurde nun auch die Landschaft etwas anspruchsvoller. Die letzten Stunden bis Usbekistan in der Abenddämmerung ließen die Eintönigkeit von vorhin schnell vergessen. Mit der Karte suche ich nach den Namen markanter Geländeteile und selbst das Internet bot wieder mehr Informationen in englischer Sprache an. Viel westlichen Tourismus dürfte die Gegend hier dennoch nicht sehen – und Kyrillisch kann ich nicht lesen.




    Das Onlinewetter war gnädig mit mir und bescherte mich mit einer klaren Mondnacht. Es boten sich ein paar Motive für schnelle Screenshots und irgendwann erreichte ich mein für diesen Tag gestelltes Etappenziel: Kirgistan!



    Woher ich die Kirgisen kannte? Eigentlich nur aus dem Film „Highlander“. Der Bösewicht, Kurgan, wurde nämlich als ein schwarzer Ritter bezeichnet (damit habt Ihr nun die Lösung für die Kapitelüberschrift). Sean Connery schilderte im Film das Volk der Kirgisen als ausgesprochen hart und zäh – im Prinzip so etwas wie die Fat Mexican, nur viel schlimmer… Na klar musste ich mir das mal aus der Nähe anschauen!




    23 Aug 2008: Osh (UAFO) – Shache (Wasserlandung)


    Und woher kennt Ihr Kirgistan? Richtig! Da gab es doch diesen Absturz einer 737-200 am 25 August dieses Jahres! Und jetzt schaut mal auf das Datum, schon wieder so knapp nachdem ich dort virtuell auftauchte. Keine Sorge, es wird noch besser…



    Ihr müsst wissen, dass sich auf so einer Tour um den Globus die Ziele irgendwie von selbst ergeben. Man fliegt einmal dahin, dann von dort nach anderswo, usw. Und auf einmal trifft einen ein Geistesblitz und man denkt: „Das muss doch da irgendwo in der Gegend sein!“
    Das ist zwar alles ein bisserl relativ, denn bei mir heißt in der Gegend sein in etwa eine Distanz von drei Flugtagen. Bekanntlich ist der Weg das Ziel – und der kann wie in diesem Falle sehr steinig sein.
    Die Rechner unter Euch können ja schon einmal zu grübeln anfangen, wo man von Kirgistan aus mit einer Goose in drei Tagen hinkommen könnte. Ich musste diese Etappe schon etwas länger vor dem Jeppesen sitzen, da ich eine Route nach China finden musste, die einer Goose auch zumutbar war.



    In meinem Fall wich die Karte aber sehr von der im FSX gezeigten Infrastruktur ab. Ich suchte vergebens nach Strassen, die dort aber sicherlich das Um und Auf für ein Überleben stellen.
    Jedoch kein Grund zur Umkehr! Dann verglich ich eben die Höhenschichtlinien mit dem GPS des FSX. Irgendwie kommt man da schon an und wenn nicht – ich kann ja eine andere Passage finden. Ich fühlte mich jedenfalls wie ein Luftfahrtpionier, selbst wenn die Route dort eine der meistbeflogenen sein könnte – vor meinem geistigen Auge sah ich schon den Namen im FSX-Atlas (den es sicher irgendwann einmal geben wird): die Malloypassage! :D



    Viel wichtiger war für mich aber, dass ich auch die richtige Route gewählt hatte. Es wurde nämlich ein bisserl eng. So eng, dass sich das leider mit Screenshots nicht vernünftig darstellen lässt – sorry. Nach dem Sattel öffnete sich vor mir ein Tal, das mindestens so breit war wie der rheinische Grabenbruch. Laut Google soll die Gegend dort an Colorado und die Alpen erinnern. Der Tourismus ist dort aber aufgrund der schlechten Infrastruktur noch lange kein Thema.



    Im Osten lagen zwar noch ein paar Pässe vor mir, doch mit weniger Sprit im Tank und etwas Rückenwind machte ich mir darüber keine Sorgen. Ich konnte die Landschaft genießen und stellte fest, dass der Flusi weit mehr hergibt als die meisten Nörgler jemals zugeben würden. Bedenkt doch einmal: Wer kommt schon auf die Idee, im FSX von Kirgistan nach China zu fliegen? Vielleicht ein oder zwei Stubenhocker und Abenteurer. Ist das aber die Mühe wert, das alles in einem Softwareprogramm für 40 Euro ein zu programmieren?



    Irgendwann querte ich dann die Grenze nach China und freute mich über schöne Berglandschaften. „Der Flug des Phönix“ (der Neue) wurde zwar in Namibia gedreht, die Handlung spielte aber in diesem Teil von China. Landschaftlich kam das jedenfalls sehr nahe und irgendwie wäre ich jetzt lieber in dieser stahlblauen C-119 unterwegs gewesen.


    Jeppesen versprach mir einen tollen Flugplatz in Sache und in freudiger Erwartung ließ ich schon beim Anblick der ersten Häuser das Fahrwerk heraus, um es im nächsten Moment auch gleich wieder ein zu ziehen.
    Da war weit und breit kein Flugfeld zu sehen! Na wenigstens hatten die hier ein bisserl Wasser zu bieten. Ich suchte daher nach einem geeigneten See im Süden und hoffte darauf, dass die chinesischen Behörden nicht so streng sein würden wie ihr Ruf von Hollywood.
    Statt Gans gab es am Abend aber Nummer 69 – Ente sauer mit Leis.

  • Das ist ja wieder ganz, ganz, ganz großes Kino!! :-O:-O:-O


    Tim, ich weiß gar nicht, was ich zu diesen Stories schreiben soll, will ja hier nicht mehr Text verfassen als Du. :D
    Aber der beste Spruch war ja wohl der mit der virtuellen Karibik... :haha:


    Wenn Du die Etappen vielleicht tageweise posten würdest (also nicht ganz so viel am Stück), dann könnte man noch besser auf einzelne Punkte eingehen. :)

  • ah, der Vorhang iss auf und es ist:


    Vor allem ich als Fotomeshfan (-atiker) muss offen gestehen: unglaublich, was man mit dem FSX - nur ein wenig mit Mesh und Texturen aufpoliert - alles auf den Bildschirm zaubern kann!


    Und Tim: Respekt (wie immer!) wie du uns so nebenher mit reichlich Infos und Hintergrundwissen fütterst und man merkt es kaum!


    So, Poppkorn ist bestellt für die nächsten Kapitel!
    und Danke für die Mühen :wink:

  • So jetzt hab ich auch alles durch und ich bin wirklich beeindruckt. Schön das es noch jemanden gibt der zurzeit an einer Flugstory arbeitet. :wink:
    Danke für die wunderschönen Bilder und den netten Hintergrundinfos. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Genau richtig. Ich war ja letztens auch erst über das schwarze Meer geflogen aber mein nächstes Ziel ist Japan.


    Was es so alles für Zufälle gibt. Ich kann das absolut nachempfinden. Ich fliege auch gerade so wie es mir in den Sinn kommt und mit den tragischen Ereignissen kann ich nur sagen ging es mir ähnlich. Leider habe es vergessen was es war. Ich weiß nur noch dass ich an dem Ort gewesen bin und danach kam darüber was in den Nachrichten.


    Nicht das es noch soweit kommt das es in den Nachrichten heißt ein Wahnsinniger Pilot sei mit seiner Goose unter den Brücken des Bosperus durchgeflogen :D Übrigens vermisse ich dazu die Screenshots...


    Anonsten ist das alles Sahne vom Feinsten und ich würde sagen die Bücherläden können bald dicht machen. :haha:

    Beste Grüße Sören ^^
    ... am Start mit X Plane 11


  • Herrlicher Lesestoff und gekonnt illustriert! Eine lehrreiche Lektüre obendrein.

    Ein amüsanter Gag sind ja auch die in kyrillisch oder andere fremde Alphabete eingestreuten Namen! Da saß ich wiederholt davor und versuchte herauszufinden, was da denn nun wieder steht und merkte dann, daß ich davon ja sowieso gar nix lesen konnte.


    Allerdings unterstreiche ich hier auch Thorstens Vorschlag, kleinere Häppchen zu reichen - diese Geschichte auf meinen Bildschirm zu wuchten dauerte gefühlte Monate... Na gut, ist so ein ganz kleines bißchen übertrieben - aber wirklich nur ein ganz kleines bißchen.


    Die Catalina scheint uns ja nun wohl vorenthalten zu werden und mit der Goose kann ch mich einfach nicht anfreunden, darüber kann auch Dein einfallsreiches Repaint nicht hinwegtäuschen - sie ist für mich ein plumper Vogel. :uups:
    Na gut, ist noch nicht so schlimm wie der A 380.


    Eine (Amphibien-) Alternative dazu fällt mir aber auch nicht ein. :-(
    Die Twotter gibt es ja auch mit Schwimmern - aber ohne vollwertigen Throttlequadrant würde ich damit nix versuchen.


    Jetzt bin ich auf die nächste Folge gespannt!

    Grüsse aus dem Lipperland von Werner

  • Aber hallo, Tim, da hätte ich ja beinahe den Start Deiner Story wegen Urlaub verpasst :-O. Toll, wie Du Dir hier mal wieder fremde Gegenden zueigen machst. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Etappen. Tageweise Postings wären mir allerdings zu kleinteilig, aber es müssen ja auch nicht immer gerade drei Riesenetappen hintereinander folgen ;).


    Ich wünsche Dir für Deine weitere Reise viel Erfolg und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung Deines Reiseberichts hier im Forum... :)

  • An dieser Stelle mal herzlichen Dank fuer das Feedback!


    Die Goose wirkt zwar ein bisserl pummelig, doch ich habe mich mit der Dame recht bald angefreundet. Irgendwie ist sie genau die richtige, denn es ist genug Platz fuer Souveniers, den obligatorischen Seesack und eine Bordtoilette habe ich auch. Ich ueberlegte lange, ob ich nicht eine Beaver nehmen sollte, doch die flog schon ein paar Mal um die Welt und amphibisch wird die Wahl dann recht eng...


    Nehmt es mir nicht uebel, aber ich werde dennoch wie gehabt ganze Kapitel posten. Tagesetappen wuerden den Beitrag taeglich nach oben pushen und da gibt es ja noch andere Projekte, die nicht ausser Acht gelassen werden sollten. Bildermaessig bliebe es ja gleich (sorry wegen der Ladezeiten, doch dafuer bleibt ja Zeit, sich einen Kaffee auf zu setzen und den Bildschirm zurecht zu ruecken - wie schon einmal erwaehnt ist das ja nicht fuer eine fuenf Minuten Pause gedacht)...
    Die Kapitel setze ich ja in mehreren Einzelpostings, damit sich dann in Zukunft in etwa ein Kapitel pro Seite ausgehen wird. Da findet sich schon eine Loesung...


    Freut mich, dass es Spass macht. Derzeit war ja Weihnachtspause und langsam arbeite ich mich aus dem Schnee heraus - es wird wieder waermer im Flusi. :)
    Danke fuer die netten Kommentare!

  • Hallo Tim,


    ich möchte schnell eventuell aufkommenden Mißverständnissen den Boden entziehen:


    für mich ist Deine Arbeit eine Wohltat - wie könnte ich Dir da "übelnehmen", daß mein Internetanschluß so mickrig ist.

    Grüsse aus dem Lipperland von Werner

  • da MUSS ich dir einfach gratulieren, großartig.
    wie schon vorher bemerkt sind die hintergrundinfos sehr passend eingearbeitet, eben so "dass man es nicht merkt".
    bedauerlich sind natürlich diese zufälle, wegen denen du das ganze ja eventuell nicht einmal gepostet hättest. hut ab und ich freue mich auf die nächsten beiträge. :wizard:

  • Wusste ich doch, dass ich schon einmal vor einer stand:



    Das war damals während der Hubschrauber WM in Aigen im Ennstal, denke mal 2002. Ich durchsuchte das Internet ein wenig, fand aber kein zweites Bild von dieser Goose. Tjo, und dann habe ich einmal meine alte Fotokiste durchwühlt, weil mich das einfach nicht in Ruhe ließ... gefunden, unter anderen schönen Bildern mit dem Hoheitsabzeichen, "mit dem man leben muss...:)".


    Zwar gibt es eine RedBull-Albatros irgendwo an der Westküste der USA, doch was passierte denn mit dieser Goose? Weiß da wer was? Ich habe die nie wieder gesehen...


    Noch nie war rotes Absperrband so häßlich... :-(

  • So schwer war's ja auch wieder nicht, das Bild lag gleich unter den Urkunden von den Friedensnobelpreisen... :D


    So, weiter geht's:


    Zweites Kapitel: Dünne Luft



    24 Aug 2008: Shache (Wasserstart) - Skardu (OPSD)


    Habt Ihr schon einmal versucht, den Himalaja mit einem Flugzeug wie einer Goose zu überqueren? Eigentlich wurde die G-21 für die High Society geschaffen – als fliegende Yacht sozusagen. Das Dach der Welt war damals sicherlich nicht als ideale Spielwiese der Goose vorgesehen. Somit stand ich vor einem kleinen Dilemma, denn südlich von mir ging es eigentlich nur bergauf – und gerade dort wollte ich auch hin.


    Lang durchsuchte ich das weltweite Internet nach Kartenmaterial für diese Etappe. Es gibt immer einen Weg, und ganz sicher nicht zurück. Lange Rede, kurze Sinn: Ich fand eine Möglichkeit. Ich hatte einen langen Weg vor mir und die Zeit wurde knapp, denn die Dämmerung würde bald hereinbrechen.



    Ich ließ also die Motoren an, startete und flog tief nach Süden zum Yarkan He. Diesem Fluss folge ich dann entgegengesetzt seines Laufes zur südlichen Grenze von China. FSGlobalX und die Landclass kreierten mir eine Landschaft, die der Realität nicht mehr ganz so entsprach. Der Fluss schlängelte sich nicht nur in der Talsenke entlang, sondern auch seitlich an den Hängen.
    Das erweckte eher den Eindruck, dass ich einem riesigen Bindfaden folge anstatt eines Wasserlaufes.



    Irgendwann erreichte ich dann auch die Passage, über welche ich nach Pakistan gelangen wollte. Zum ersten Mal merkte ich, wie schwer sich die Goose in diesen Höhenlagen tat. Vor dem Pass musste ich mich geduldig in langen Kurven in die Höhe schrauben. Als dann gar nichts mehr ging, wagte ich die Querung.
    Ich hatte dabei fast den Flightstick ausgerissen! Die Goose hatte eine solche Steiglage, dass ich jederzeit mit einem Stall rechnen musste. Den Pass schaffte ich dann schließlich mehr oder weniger auf dem Zahnfleissch. Der Schatten der G-21 kam mir schon gefährlich nahe und ich sah schon das Ende der Tour vor mir: Xplorer beendet wegen Blödheit des Piloten! Na bravo…



    Gott sei Dank ging es danach stetig bergab. Endlich konnte ich im Sinkflug wieder eine vernünftige Reisegeschwindigkeit erreichen. Mit Kurs nach Westen flog ich der untergehenden Sonne hinterher und konnte dabei den ersten Schnee im FSX genießen. Begeistert ging ich auf Außenansicht und machte den Shot, der dann zum Titelbild dieser Tour wurde. Damals wusste ich das allerdings noch nicht. Das Wanderer-Poster stellte ich im erst letzten November zusammen.



    Ein genauerer Blick auf die Karte verriet mir, dass ich mich schon die ganze Zeit über einem der Quellflüsse den späteren Indus befand. Die letzten Flugstunden wurden immer düsterer und der Umstand, dass im Hintergrund „King Arthur“ lief (der mit Masse im Schnee spielt), machte diese vielen Schlangenlinien durch enge Täler zu einer jener Etappen, die ich zu den besseren dieser Tour zähle.



    Hundemüde erreichte ich spät abends Skardu – viel später als ursprünglich geplant. Ich war endlich dort angekommen, wohin ich vor drei Tagen die geistige Kursänderung durchführte. Für den nächsten Streckenabschnitt war die Goose dann aber absolut ungeeignet. Die Luft war für dieses Unternehmen einfach zu dünn. Etwas Altbewährtes aus der Schweiz musste her…



    30 Aug 2008: Skardu (OPSD) - Skardu (OPSD) – K2 Rundflug


    Auf diesen Tag hatte ich mich schon sehr gefreut. Wie gewohnt wachte ich um 0800 Uhr von alleine auf und frühstückte gemütlich an diesem Samstagmorgen.


    Meine Wahl fiel auf Peter Salzgebers Alouette II – mit der Goose wäre da gar nichts zu schaffen gewesen. Für diesen Rundflug kalkulierte ich gute vier Stunden ein (inklusive Pinkelpausen und Fotoshooting – das ja eine gewisse Geduld verlangt, bis das Bild zu meiner Zufriedenheit aufgebaut ist).


    So ging es nach dem Workout und Dusche mit einer großen Tasse Kaffee ins eigene Büro. Der Rechner wurde hochgefahren, der FSX gestartet und die Szenerie von Skardu geladen. Vier Stunden Zeitunterschied zu Wien habe ich mit einkalkuliert und drehte die Localtime auf 1435 Uhr.



    Dann kam der spannendste Teil: Realwetter! Der K2 ist ja nicht nur der technisch schwierigste Berg der 8000er, sondern auch der unberechenbarste. Aus Zeitungsmeldungen erfährt man immer wieder, dass der eine oder andere Helikopter zur Bergung einiger Verunglückten dort im letzten Moment doch nicht starten konnte.


    Schon wieder „Clear Skies“. Das ist zwar optimal zum Fliegen, doch für die Bilder war das mit der Tageszeit einwenig zu hell. Was soll’s, ich wollte endlich los!


    Mit drei weiteren Fluggästen stieg ich in die VFR-Flightsimmer-Version von unserem Chris und wenige Momente später steuerte ich die Lerche über die drei Seen (Upper und Lower Kachura sowie der kleinere Satpara Lake) nach Norden bis ins Tal von Ashkole.



    Der Taleingang ist relativ schmal und auch die ersten Flusswindungen sind recht eng zu fliegende Kurven. Wenig später wurde das Tal aber breiter. Zum Glück hatte ich den Helikopter, denn schon dort gewesene Alpinisten verfluchen die Straße nach Ashkole nicht zu Unrecht.


    Ich überflog Siedlungen mit exotischen Namen wie Liligo, Khoburtse oder Urdukas. Bald befand ich mich über dem Baltoro Gletscher und hielt weiter nach Osten zu. Vor mir ragten die Gipfel der Gasherbrum-Kette, unter mir lag Concordia und links von mir kam der Godwin-Austen-Gletscher ins Blickfeld.



    Etwas aufgeregt schlug ich hier die Route nach Norden ein und sah wenige Minuten später auch schon den zweithöchsten Berg des FSX vor mir – den K2, oder eben Lambha Pahar (in China offiziell: 乔戈里峰, auf Pinyin: Qiáogēlǐ Fēng; auch Chogori), Mount Godwin-Austen oder Dapsang.



    Wie oft habe ich von diesem Teil gelesen und gespannt den Geschichten von Bekannten und Unbekannten gelauscht! Und jetzt saß ich hier am Samstagmittag vor einem Laptop und war beeindruckt von diesem Zinken. In Real kriegt mich da keiner rauf, soviel ist sicher!



    Gegen den Uhrzeigersinn umflog ich den Gipfel in respektvollem Anstand. Nur 300 Bergsteiger standen auf diesem, ein knappes Dutzend davon Frauen. Probiert haben es viele und zu viele kamen nicht wieder zurück.
    Mit der Alouette II passierte ich den Nordgrat über die Terrasse und hatte von dort einen schönen Ausblick nach China.



    Die Runde war dann auch schon wieder zu Ende und ich machte mich wieder auf den virtuellen Heimweg.


    Punkto Wetter und Sicht konnte ich mich nicht beschweren. Bald war ich wieder durch den schmalen Taleingang durch und flog auf die Seen zu. Der Lower Kachura See heißt bei den Einheimischen auch Shangrila Lake.


    Mit dem Begriff Shangri-La dürften viele von Euch wahrscheinlich nichts anzufangen wissen. Zwar hatte der Ort einen Neuauftritt in der „Mumie III - Das Grabmal des Drachenkaisers“, doch die Idee ist viel älter! 1933 veröffentlichte James Hilton den Roman „Lost Horizon“, in welchem Überlebende eines Flugzeugabsturzes an diesen so sagenumwobenen Ort von Friede und Eintracht gelangen und nicht mehr fort wollen.


    Das Buch las ich vor Jahren.
    Schwiegerpapa kennt es auch und der hatte es sich damals auch nur gekauft, weil ein Flugzeug auf dem Cover war. Er brauchte es für eine Buchvorstellung und erhoffte sich eine spannende Fliegergeschichte. Als er dem Lehrer dann den Titel verriet, verdrehte dieser nur die Augen und schlug sich auf den Kopf…
    Warum der Lehrer so reagierte? Der technische Teil in diesem Buch rückt doch etwas sehr in den Hintergrund. Hier geht es um Philosophie!


    Shangri-La ist ein anderer Name für Utopia – das perfekte Paradies. Zugänglich nur durch einen kleinen Pfad über einen verborgenen Pass im Himalaja. Dort leben Menschen in Frieden und Eintracht und es gibt alles im Überfluss, daher auch keinen Neid. Selbst leben kann man dort so lange wie man will…
    Obwohl es sich hier um ein Hirngespinst handelt, streiten sich heute Staaten wie Japan, China und Indien um den wahren Standort von Shangri-La – als ob es nichts Wichtigeres gäbe!


    Erst neulich hatte ich den Film „Lost Horizon“ gesehen, aber auch erst nachdem ich erfahren hatte, dass sich Spielberg für den ersten „Indiana Jones“ die Flugszenen gekauft hatte, um sein Budget zu schonen – das sind die berühmten Aufnahmen mit der Landkarte und der DC-3 im Himalaja.



    Ich schweife ab? Keineswegs, denn nach der Landung in Skardu steige ich ins nächste Taxi und lasse mich auch schon zum Shangri-La Ressort chauffieren… Vielleicht ist da ja doch was dran…


  • 31 Aug 2008: Skardu (OPSD) – Fukche (VI66)


    Wie in Venedig war ich nun wieder in der Zwickmühle: Einerseits wollte ich die Tour fortsetzen, andererseits fühlte ich mich hier ausgesprochen wohl. Vielleicht war an dieser Shangri-La Geschichte ja wirklich was dran…
    Immer wieder blickte ich nach dem Start zurück nach Skardu, bis es schließlich hinter den Bergen verschwand und ich mich wieder auf den Verlauf des Indus konzentrieren konnte.



    Leider ist auch diese Gegend von Microsoft etwas stiefmütterlich behandelt worden: Der hier noch etwas kleine Indus schlängelte sich links und rechts an den Berghängen hinauf. Viel Zeit um mich darüber aufzuregen hatte ich aber sowieso nicht, denn der Talverlauf forderte meine Aufmerksamkeit.



    Irgendwann einmal erweiterte sich dann das Tal und bald überflog ich die Grenze zu Indien. Dieses Land habe ich jeden Tag- bei der Arbeit und bei BBC, die einen mindestens einmal am Tag mit einem der umwerfenden Werbespots (zur Einstimmung) „schikanieren“. Zwar kratzte ich diesen Subkontinent in dieser Tour lediglich etwas an – der Süden fehlt mir ja noch völlig – doch das werde ich einmal in einem eigenen Bericht nachholen. Falls es noch einmal um die Welt gehen sollte, dann auf den Spuren von Philias Fog. Bis dahin wird es wohl auch Elefanten im FSX zu reiten geben…



    Ein Wasserflugzeug im Himalaja ein Ding der Unmöglichkeit? Seen gibt es hier genug, das Problem dürfte eher die Höhe sein. Entlang des Bangong Co fühlte sich die Goose auf einmal wieder heimisch und wollte unbedingt baden. Fast hätte ich mich auch dazu hinreißen lassen, doch bis zum Etappenziel waren schließlich noch einige Meilen zu fliegen.



    Meine Destination war Fukche. So mancher von Euch dürfte dieses Flugfeld schon kennen, denn es gehört zu den fünf höchstgelegenen der FSX. Wer Fukche anfliegt und die restlichen vier in den Anden, der ist sich einer Trophy für das Logbuch sicher.



    Diese ergatterte ich mir aber schon letztes Jahr mit der Catalina im Betaflug. Durch die Landung hier tangierte ich damit zu ersten Mal die Reiseroute des vergangenen Xplorer. Das nächste Mal wird dies erst auf wieder in Südamerika der Fall sein! Bis dahin gibt es aber noch viel zu sehen.



    01 Sep 2008: Fukche (VI66) – Simikot (VNST)


    Jeden Tag war nun ein weiterer Flug möglich und die Tour machte enorme Fortschritte. So „bescheiden“ diese Gegend im FSX (trotz der AddOns) auch wirkte, ich hatte fast jeden Tag eine Grenze zu überfliegen.
    Mit indischem Curryessen hatte ich schon immer Probleme. Ich erinnere mich daran, wie ich nach einem Jahr indischer Truppenküche (und die machen einen feinen Unterschied, ob Du Offizier bist oder nur UO) mit nur noch 68 kg nach Hause kam (ich bin 185 groß und habe normal 78 kg). Das lag nicht an dem Umstand, dass ich vielleicht zu wenig gegessen hatte, sondern eher daran, dass ich mehr Dünnschiss hatte, als ich Essen zu mir nehmen konnte – ein Jahr lang.
    Egal, ich hab’s auch überlebt.



    Gleich nach dem Start zog ich eine Schleife und flog das lange Tal weiter nach Osten. Schon beim Steigen merkte ich, wie schwer die Goose hier zu atmen hatte. Internetrecherche und Jeppesen machte mir das Leben etwas schwerer, weil es aus dieser Gegend einfach so wenig zu finden gibt. Schließlich befand ich mich schon wieder in China (oder für die Besserwisser: Tibet) und die Hauptlast des Tourismus dürfte wohl irgendwo anders liegen.



    So folge ich dem Highway 219 talaufwärts und musste die Goose noch einmal über einen Pass bringen, der knapp an der Dienstgipfelhöhe lag. Beinahe zog ich mit dem Bug eine Furche in den Bergsattel. Den hätte ich dann aber wenig später gleich im La’nga Co (der Geistersee, etwas salzhaltig) wieder von Geäst und Erde säubern können. Also wenn ich hier auf Seen stieß, dann waren das immer riesige Teile, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte.


    Geistersee war eigentlich eine treffende Bezeichnung, denn ab hier setzte nicht nur die Dämmerung ein, sondern auch der Nebel.
    Ich kramte daher wieder mein GPS aus der Tasche und lotste mich vorsichtig durch die engen Schluchten südlich des Gurla Mandhata. Dieser heilige Berg (eigentlich ein Gebirgsmassiv) ist der dritthöchste von Tibet und gilt aus weiblicher Gegenpol zum Kailash. Könnt Ihr mir noch folgen? :D
    Es wird noch etwas spiritueller: Lhamo Yang Tschen, die für hier die Ernte zuständige Göttin, soll auf diesem Berg hausen. Der Name Gorla bzw. Gurla bedeutet "Haupt des Sangdul, der höchsten Schutzgottheit". Ich denke, wenn ich schon Poseidon in der Ägäis erwähnte, dann kann ich den mir gnädigen Göttern Himalajas auch einen Absatz widmen.



    Bei dieser Südumrundung überschritt ich schließlich die Grenze zu Nepal. Hier gab es zwar Flugplätze, doch die musste ich erst einmal finden! An Simikot flog ich beinahe vorbei, denn das lag im wahrsten Sinne des Wortes um die Ecke.
    Übrigens: Es muss nicht immer Lukla sein (Klick!)!




    02 Sep 2008: Simikot (VNST) – Pokhara (VNPK)


    Humla Simikot gilt als eine der ärmsten Regionen Nepals. Hier leben knapp 42000 Tsetri, Thakuris, Bhotias, Brahmins, Kamis und Damai. Die Höhenlage auf 2910m gilt für Alternativtouristen als Ausgangspunkt für die wenigen geöffneten Trekkingrouten über den Kailash nach Tibet.
    Mir selber war das aber zu alternativ und als ich nach dem Start in eine weitere Nebelwand eintauchte, da glaubte ich schon, dass das alles eine Art ParalelluniversumFSX war. Das war nämlich seit langem der erste Nebel.



    Mit Nepal habe ich so meinen eigenen Spaß, auch wenn ich noch nie dort war. Die nepalesischen Kollegen in meiner Arbeit staunten nicht schlecht, als ich auf einmal Städte ihrer Heimat nannte, die nicht nach Katmandu oder Lukla klangen. In einer Pause erzählte ich von meiner FSX-Tour und dass ich mich eben gerade in Nepal befand. Klar freuten sie sich über den virtuellen Besuch, doch ich kam um eine reale Einladung in ihre Heimat nicht herum.



    Von den Burschen habe ich auch einiges über das Land erfahren. Die haben ziemliche Probleme dort, nachdem der König „endlich“ abgesetzt wurde. Von einer Demokratie sind die Nepalesen noch weit entfernt und derzeit gibt es dort keine wirkliche Gesetzeslage.
    Selbst meine Kollegen besuchen zwar Nepal gerne als Urlauber, doch ihren Ruhestand werden sie lieber auf britischem Boden genießen: die britische Armee zahlt nun endlich auch die Pensionen für die freiwillig dienenden Nepalesen.



    Pokhara war mein Zielflughafen. Das Städtchen liegt gleich neben dem Fewa Lake auf 827m und heißt überliefert eh nichts anderes als einfach: See. Auf wenn jemand Nepal mit viel Eis und Schnee verbindet: die Temperaturen sinken hier nicht viel tiefer als +7 Grad Celsius im Winter.




    03 Sep 2008: Pokhara (VNPK) – Rumjatar (VNRT) – Lukla (VNLK)


    Yakmilch, was für eine Schnapsidee! Und Schnaps wäre jetzt sogar eine Idee. Also eines habe ich beim Probieren dieses Gesöffs gelernt: Paarhufer ist nicht gleich Paarhufer – und Kuh ist nicht gleich Kuh…



    Um Kathmandu (oder Katmandu) machte ich einen großen Bogen, da ich keinen sonderlichen Bock auf eine Großstadt hatte. Mittlerweile übernahm der virtuelle Copilot das Steuerhorn, denn ich musste meine CDs wegen der nächsten Maschine durchstöbern. In Rumjatar wollte ich vernünftigerweise das Flugzeug wechseln.



    Schließlich fand ich das Teil und konnte auch gleich nach der Landung und Speichern des Fluges mit der Installation der „Neuen“ beginnen. Irgendwo hauste noch die endgültige Version von Chris’ Repaint, das auch noch eingefügt werden wollte und die aircraft.cfg entsprechend verändert.
    Wieder startete ich den FSX, lud den gespeicherten Flug hoch und stieg dann in die vorbereitete Maschine um, deren Motoren ich seit den „Pilots of the Caribbean“ nicht mehr angelassen hatte, den Flug nach Lukla fort zu setzen.


  • 04 Sep 2008: Lukla (VNLK) – Lukla (VNLK) – Mt. Everest Rundflug


    Einer der großen Tage dieser Tour: Es ging zum höchsten Berg der Erde, wenn auch nur virtuell. Wieder nahm ich die Alouette II meines schweizer Freundes Peter Salzgeber. Mit drei weiteren Passagieren steuerte ich die Maschine talaufwärts.



    Eine Premiere, denn – um ehrlich zu sein – bisher spielte ich mich mit der Luklaszenerie nur im Nahbereich des bekannten Flugplatzes, nicht aber um den Sagarmatha (wie die Nepalesen den Everest nennen). Erst am Morgen habe ich mich noch durch ein paar Reviews gelesen und erfahren, dass noch andere Flugfelder von Aerosoft berücksichtigt wurden. Es gab also einiges zu erkunden.





    Wenige Minuten später war ich schon über Syngboche und der Vollständigkeit halber landete ich dort. Gleich neben der Landbahn lag ein verwittertes Wrack eines – hmm, was ist das wohl – jo, ich sage mal Motorseglers. So wie es aussah dürfte er mit den begrenzenden Randfelsen Bekanntschaft gemacht haben. Kein Grund also, noch länger den Sensationsgaffer zu simulieren.



    Ich steuerte weiter nach Norden, überflog das Kloster von Pangboche und bei Dingboche bog ich links ein zum Khumbugletscher. Obwohl ich es besser wissen sollte erwartete ich eine weiße Eisdecke anstatt eines Geröllfeldes. So flog ich ein paar Minuten die Zunge hinauf bis zum Base Camp auf 5364 Metern.
    Dort sollte ein Helipad sein, doch als ich dort ankam, war dieses schon besetzt. Es sah auch nicht so aus, als ob die Mi recht bald wieder starten würde. Im Base Camp an sich zeigten sich zwar ein paar Alpinisten, doch ich wollte nicht länger bleiben und viel lieber den Berg umfliegen. Pustekuchen!



    Kurz nach dem Lho Pass war es schon vorbei mit dem weiteren Aufstieg – die Maschine war einfach zu schwer. Jedenfalls hatte ich wieder einen herrlichen Blick nach China und drehte dann bei, um nach Lukla zurück zu kehren.


    Was vielleicht nicht jeder weiß: Bereits 1933 wurde der Everest mit einer Westland PV-3 überflogen. Damals kannte man noch keine Druckkabinen, doch das änderte sich nach dieser Leichtsinnigkeit relativ schnell. Ja und von der Sache mit dem Helikopter 2005 hat ja schon jeder hier im Forum gelesen.


    Verfliegen war ein Ding der Unmöglichkeit – die Berge ringsum sind sowas von begrenzend, dass man den Weg von ganz alleine findet. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht zu tief hält, sonst würde man an Lukla vorbeifliegen.



    Mit dem Helikopter war die Landung kein Kunststück. Für die Heimreise zur Goose war es aber schon etwas zu spät und ich entschloss mich die Ortschaft nach ein paar Pubs aus zu kundschaften. Bei der Onlinerecherche staunte ich dann aber nicht schlecht, wie viele Kneipen dieses „Kaff“ dann in Real hat – neben der Yak's Pub und dem The Waves gibt es sogar ein Irish Pub!




    05 Sep 2008: Lukla (VNLK) – Rumjatar (VNRT) – Yongphulla (VQ10)


    Man gewohnt sich schnell an diese Szenerie und fühlt sich bald recht wohl hier. Meine Kollegen meinten allerdings, dass Lukla in Nepal sowas ist wie St. Anton am Arlberg – da trifft man auch nur auf wenige Einheimische.
    Wie Ihr alle wisst geschah hier Unglück Nummer 3 am 08 Okt 08. Und wieder war ich kurz davor dort. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der Xplorer (jetzt im Nachhinein ja erst nach den Kriegen und Abstürzen online gestellt) einen schlechten Nachgeschmack bei so manchem Leser hinterlassen könnte.



    Zeit, das Tal wieder mit der Twotter zu verlassen, denn im Rumjatar wollte die Goose auch nicht länger bleiben als unbedingt nötig. Es wurde schon langsam wieder dunkel und es lag noch ein weiter Weg vor mir.



    Zügig und in sicherer Entfernung von den Gipfeln setzte ich den Weg nach Osten fort. Ich befand mich bald wieder in Indien (nach China und Nepal), nur um dort in das bisher einzige Gewitter der gesamten Tour zu kommen.
    Die Turbulenzen waren mir dann irgendwann einmal zu doll und ich suchte per Jeppesen und GPS nach einem geeigneten Flugfeld in der Nähe. Und da bot sich nur der Nachbarstaat Bhutan an.



    Mittlerweile wurde es dort schon so dunkel, dass der Eintritt in das Königreich eher an Mordor erinnerte als an eine konstitutionelle Monarchie des Jahres 2008. Bhutan war übrigens das letzte Land, das von Fernsehwerbung heimgesucht wurde: Erst im Jahr 1999 wurde dort nämlich erst das Fernsehen eingeführt…



    Auf der kleinen GPS-Karte rückte Yongphulla immer näher ins Zentrum. Ich beschloss von Westen kommend anzufliegen und setzte die Goose recht sanft auf den Apron, um dann hundemüde ins Bett zu fallen. Vorher noch eben den Flug abspeichern und dann nichts wie ab in die königliche Heia!



    06 Sep 2008: Yongphulla (VQ10) – Chabua (VE30)


    Mir wurde dann erst am nächsten Morgen bewusst, wie heikel dieser Flugplatz überhaupt angelegt ist. Auf drei Seiten sah ich nämlich nur Berge. Ja sagt mal: Bauen die dort alle Flughäfen so? Paro gilt ja auch nicht gerade als Anfängeranflug…



    Der einzige Vorteil dieser Lage war wohl der, dass man hier nicht mehr viel an Höhe gewinnen musste, um sicher in der Luft zu sein. Landschaftlich war Bhutan im FSX ja anspruchsvoll, doch wohnen möchte ich dort wirklich nicht – da geht’s ja nur bergauf!



    Ich schlängelte mich also wieder weit nach Süden und gelangte bald wieder nach Indien. Als es dann wieder etwas ebener wurde, da blinkte ich nach Links und flog wieder eine lange Gerade nach Osten.
    Zielflughafen war diesmal Chabua im Dibrugarh district, Bundesstaat Assam. Den Militärfluplatz im FSX kannte ich wie meine eigene Westentasche.
    Von hier aus startete das US Air Transport Command seine Versorgungsflüge nach China. Albert Coady Wedemeyer, den einige Leser wohl eher mit Berlin/Tempelhof in Verbindung bringen, sammelte hier seine ersten Erfahrungen punkto Erstellen von Luftbrücken.




    07 Sep 2008: Chabua (VE30) – Kunming (ZPPP)


    Ich hatte das Thema „Flying Over The Hump“ im Forum schon öfter erwähnt. Bereits im ersten Xplorer überlegte ich kurz, ob ich nicht den Abstecher nach China machen sollte. Auf die Thematik kam ich durch eine Mission (The Hump) auf avsim.com zu bekommen.
    Wenige Wochen später lud ich zum Onlineflug ein, denn dann letztendlich Kay (aka Heimi) und meine Wenigkeit durchzogen.



    Diesmal nahm ich eben die Goose für das Unternehmen. Und zum ersten Mal verwendete ich FSGlobalX für die Tour. Kay meinte schon damals bei der Onlinetour, dass die Landschaft absolut fein wäre. Jetzt konnte ich das zum ersten Mal selber sehen – vor allem den Unterschied zur regulären default-Szenerie.



    Dieses Mal wollte zwar anfänglicher Bodennebel die Sicht ein bisserl trüben, doch das war nur in den tieferen Lagen. Der eigentliche Buckel (das ist die wörtliche Übersetzung von „The Hump“) lag im schönsten Sonnenschein.
    Vor rund siebzig Jahren hatten die Burschen jedenfalls andere Sorgen. Erinnert Ihr Euch noch (Teil 1 und Teil 2 eines chinesischen Simmers)?



    Das Highlight dieser Etappe ist aber sicherlich nicht der Buckel selbst (nach meinen Erfahrungen von Pakistan musste ich hier über die Angaben im Höhenmesser bestenfalls ein bisserl gähnen zwecks Höhenausgleich), sondern der Blick nach Brunei:



    Bei unserem Onlineflug brach damals ja leider kurz vor Kunming die Verbindung ab. Diesmal war ich aber offline unterwegs und zog die lange Strecke bei einer gemütlichen Tasse Tee durch. Ich lasse da einfach mal die Bilder sprechen:





  • Mehr, mehr, mehr! :):):):):)


    Da komm ich aus dem Lesen und Staunen und Lesen und Gucken und... gar nicht mehr raus. Wiedermal ist das viel zu viel als dass ich auf Einzelheiten eingehen könnte, aber allein die Stimmung des nahen und fernen Ostens bringst Du supergut rüber. :d055: