Carenado Piper PA-34 Seneca V [released]


  • Beinahe untergegangen in dieser eigentlich recht nachrichtenarmen Sommer-Ferien-Zeit ist das Erscheinen einer neuen "Kleinen" von Carenado: der Piper Seneca V. Nachdem es ja erst so aussah, als würden sich die Südamerikaner mit der Phenom und der angekündigten Hawker 850 ins Business-Segment verabschieden, jetzt also die Seneca.


    Die aktuelle Version V ist weiterhin bei Piper nagelneu zu haben, wenn man bereit ist, dafür mindestens eine gute Million US-Dollar auszugeben. Da ist die Carenado-Version mit 37.95 US$ natürlich deutlich billiger zu haben.



    Für das Geld bekommt man genau das, wofür man Carenado mag oder auch nicht mag: ein ganz hervorragend modelliertes Flugzeug mit Eye-candy, wo man auch hinsieht. Auf diesem Gebiet spielt Carenado in der absoluten Oberklasse, da kommt so schnell kein anderer Hersteller mit.
    Nicht ganz so gut sieht es aus, wenn es um Systemtiefe und Realismus gut. Die Entwickler haben der Seneca ein Garmin 600 als Glascockpit spendiert. Je zwei Bildschirme liefern relevante Flug- und Navigationsdaten, während die Triebwerke, klassische Kolbenschüttler, noch mit Rundinstrumenten zu kontrollieren sind. Außerdem gibt es noch zwei klassische Garmin GNS 430. Die Besitzer des GNS 430 von RealityXP können diese natürlich tauschen, um den vollen Funktionsumfang nutzen zu können.


    Die Zusammenarbeit der Garmin-Gauges klappt hervorragend, Cross-Filling ist kein Problem. Schwierig wird es, wenn im Flug der Flugplan geändert werden soll. Das geht nämlich leider nicht. Auch greift das Garmin auf die Standard-Daten des FSX/P3D zu, die Nutzung aktueller Datensätze z.B. für überwachte Online-Flüge in den bekannten Netzwerken ist nicht möglich.




    Wer sich bei Piper reingeklickt hat und das Cockpit der aktuellen Seneca V ansieht, der weiß, dass inzwischen drei Bildschirme des Garmin 1000 dort verbaut sind, auch die Motoren werden also digital überwacht. Trotzdem kommt mir persönlich die Light-Version mit dem Garmin 600 angenehmer vor, das G 1000 ist ja inzwischen "überall" eingebaut :D. Auch Carenado entwickelt sich weiter. Neben dem schon bekannten und sehr gut gemachten TAWS (Terrain awareness and warning system) ist nun im MFD auch ein TAS (Traffic Advisory System) sowie ein WX (Weather) zu aktivieren. Beides allerdings nur als Einzelbildschirm und nicht überlagert, wie es im Avidyne der Beechcraft King Air gelöst ist.




    Die Dokumentation ist leider wieder wie immer: knapp und wenig zusammenhängend, etliche PDFs, die immer nur einen kleinen Teil wie z.B. das Garmin 600 abhandeln. Mich hat das schon immer gestört, allerdings wird sich Carenado hier wohl treu bleiben. In Sachen Flugeigenschaften und Sound gibt es hingegen nichts zu meckern. Sichtflieger werden allerdings mit dem Tiefdecker und den recht üppigen Motorgondeln nicht wirklich glücklich werden. Trotzdem ist die Seneca eigentlich dafür gedacht. Eine Druckkabine gibt es nicht, womit die Limits eigentlich schon festgelegt sind.


    Mir gefällt die Piper Seneca V besser als die Beechcraft Baron aus gleichem Hause, die ja in derselben Liga spielt. Carenado ist es wie so oft gelungen, das Gefühl für diese Maschine einzufangen und umzusetzen. Dass es bei der Systemtiefe oft im Seichten bleibt, stört mich als Feierabendflieger eher weniger. Wer schnell in der Luft sein möchte, gelegentlichen IFR-Abenteuern aufgeschlossen gegenübersteht und für den auch "das Auge" wichtig ist, der wird einen Kauf nicht bereuen.


  • Danke für deinen Ausführlichen Eindruck des Fliegers. Ich bin schon kurz davor gewesen den Flieger zu kaufen. Aber irgendwie war das Gefühl stärker das der Flieger im Hangar verstauben wird. Die Vorfreude auf die PC12 steigt aber damit immer mehr an. Mal schauen was die Zeit bringt. Vielleicht kann ich es doch nicht lassen.


    Gruss Stefan

  • Vielen Dank Markus für diesen sehr interessanten Bericht :wink::d055:
    Die Seneca V finde ich vom Design her sehr gelungen, nur nerven mich diese Glascockpits im Flusi mittlerweile einfach etwas zu sehr, sodass ich da lieber analoge Instrumente habe. Egal ob G1000 oder G600 von Carenado, was da fehlt ist einfach die gelungene Umsetzung. Ich habe zwei Wochen Praktikum bei Diamond in EDFE gemacht und der Großteil aller DA-40 und DA-42, die dort waren, besitzen ein G1000. Das ist ein top System und auch sehr interessant, aber dieser Glascockpit-Flair konnte irgendwie noch nicht in den Flusi gebracht werden, zumindest nicht bei GA-Flugzeugen oder Bizzjets. Das G1000 im FSX (das von Flight1 habe ich noch nicht ausprobiert) ähnelt im Grunde nur vom Aussehen her dem Original, die ganzen Funktionen und endlosen Möglichkeiten fehlen einfach. Steam-Gauges machen sich im Flusi wesentlich besser, finde ich.


    Das fängt ja schon bei der Geländedarstellung an. Während in der Realität das Gelände in Kästchen dargestellt wird (wie bei Flight1), ist das bei Carenado etc. nicht so, hier bekommen wir eine "normale" Geländedarstellung, wie aber inkorrekt ist. Sorry, aber die Glascockpits bei den GA-Fliegern sind so dermaßen unauthentisch, das merkt man erst, wenn man mit dem Original zu tun hat :D

    Viele Grüße aus Frankfurt wünscht

    Frank


  • Du hast leider recht damit, Frank, dass die ganzen Glascockpit-Umsetzungen im GA-Bereich noch sehr hinter den Möglichkeiten hinterher hinken. Und ob man das Ganze bei Carenado nun G600 oder G1000 nennt - es ist eigentlich nur derselbe Inhalt in etwas anderer Grafik aufgearbeitet. Ähnliches gilt dabei für das Avidyne System in der King Air.


    Umgekehrt muss ich allerdings auch sagen, dass ich kaum die Zeit und auch die Lust habe, mich wirklich in ein "echtes" G1000 einzuarbeiten. Und das Problem betrifft nicht nur die Simulanten, dass ist bei den Freizeit-RL-Piloten dasselbe Dilemma. Kein Wunder, dass Steam-Gauges hier noch der Standard sind. Trotzdem macht es gelegendlich Spaß, auch mal "was Größeres" zu bewegen, und da kommt mir zumindest Carenado mit seinen Vereinfachungen recht gut entgegen.


    Und das TAWS ist im Simulator eben schon wesentlich besser entwickelt als im echten Leben :D. Die Klötzchen von F1 -auch wenn sie der Wirklichkeit nahe sind - haben mich jedenfalls nicht überzeugt...

  • Pidder schrieb:

    Umgekehrt muss ich allerdings auch sagen, dass ich kaum die Zeit und auch die Lust habe, mich wirklich in ein "echtes" G1000 einzuarbeiten. Und das Problem betrifft nicht nur die Simulanten, dass ist bei den Freizeit-RL-Piloten dasselbe Dilemma. Kein Wunder, dass Steam-Gauges hier noch der Standard sind. Trotzdem macht es gelegendlich Spaß, auch mal "was Größeres" zu bewegen, und da kommt mir zumindest Carenado mit seinen Vereinfachungen recht gut entgegen.


    Das ist wohl wahr, so ein G1000 ist natürlich eine Ecke komplexer als eine vergleichbare Steam-Ausstattung und bietet nahezu unendliche Möglichkeiten. Dann können ja auch noch Updates wie SafeTaxi, SyntheticVision und hastenichtgesehen draufgespielt werden. Aber die wichtigsten Funktionen kann man auch ohne große Einarbeitungszeit nutzen.

    Viele Grüße aus Frankfurt wünscht

    Frank


  • Danke für den interessanten Bericht, Markus.
    Die Kritik am Glascockpit teile ich in vollem Umfang. Ich habe zwar leider kein Praktikum dazu absolviert (meinen Glückwunsch dazu, Frank!), konnte aber nach Berichten aus der realen Fliegerei dort geschilderte Garmin 1000 - Anwendungen auch nicht nach Carenado- und ebenso wenig nach Flight 1-Lösungen übertragen. Zur Rechtfertigung der Software-Entwickler sollte man aber auch den Preisunterschied zwischen Original und Simulation nicht aus den Augen verlieren.


    Davon abgesehen bringt es mich regelmäßig auf die Palme, wie schlecht die Bedienung dieser Instrumente im Flusi gelöst ist: ein "Gewirr von zwergwüchsigen Klickspots" ist auswendig zu lernen und dessen Anwendung - auch bei größerer Darstellung auf dem zweiten Bildschirm - ist ein jämmerliches Gestocher mit lebensgefährlichen Fehlleistungen, wenn das real so wäre. Veränderungen von Altitude oder Heading nach ATC hat dann im nicht vergrößert darstellbaren Autopiloten mit gleichzeitiger Kontrolle im PFD zu erfolgen und während man sich da noch mit diesen zwergwüchsigen Klickspots herumplagt hat man dann schon den ATC mit "please expedite your tralala..." auf der Hacke. Im Original hat der Pilot ganz bequem das Drehknöpfchen zwischen Daumen und Zeigefinger und kann sich darauf verlassen, daß da der richtige Wert verstellt wird.
    Nachdem etwa Carenado diese Lösungen bei allen von mir verwendeten Simulationen (CT206H, C208 Caravan, Phenom, TBM850) anwendet, habe ich mit den inzwischen "alten Bekannten" schon ordentlich Erfahrung gesammelt und bringe es immer noch nicht fertig, zuverlässig sofort die richtige Einstellung zu erledigen.
    Das ist in der realen Fliegerei lebensgefährlich!
    Die Piper Seneca werde ich nicht anschaffen. Für den Zweck finde ich die Dukes von RealAir um Längen besser - vor Allem auch, was die Bedienung der Instrumente angeht! Da verzichte ich lieber auf das Glascockpit!

    Grüsse aus dem Lipperland von Werner

  • Die "Seneca V" muss man tatsächlich nicht haben, mir macht sie aber bis jetzt noch Spaß. Allerdings ist das Handling des Autopiloten recht gut gemacht, wenn man es einmal kapiert hat.



    Um mit dem nicht so Guten zu beginnen: die Autopilot- und Flightdirector-Hauptschalter befinden sich weit rechts in einer Schalterleiste beim Copiloten, die wären etwas näher am Gerät schon besser platziert gewesen.


    Dafür klappt die Bedienung bzw. Einstellung um so leichter. Man wählt am PFD mit einem Schalter auf der linken Seite, welchen Wert man einstellen möchte (1.), also HDG, ALT, CRS usw., dafür benutzt man den Drehknopf (2.) und kann den eingestellten Wert in einem kleinen Fenster (3.) des PFD kontrollieren. Eingestellt bzw. aktiviert werden die Funktionen dann wie gewohnt am eigentlich AP selbst (4.), hier kann man auch mal schnell die VS verstellen, wenn ATC es mal eilig hat ;).

  • Das klingt nach Verbesserung.
    Schwachpunkt bleibt der Drehknopf (2): wenn ich solche Knöpfe im Flusi bewegen will, gibt es oft erst eine Reaktion, wenn ich drauflicke (was bei Heading meistens sync zur Folge hat) und wenn ich dann + oder - oder die Hand sehe, kann ich einstellen. Diese Symbole erscheinen durchaus nicht zuverlässig dann, wenn man die Umgebung des Knopfes mit dem Mauszeiger absucht. Gucke ich dann gerade mal auf etwas anderes, ruckelt das Fliegerchen und die Maus klickt ins Leere - der ATC quengelt aber weiter und der Localizer ist mal wieder zügig überschossen. :xxx:
    Diese ganze Afferei gibt es bei RealAir gar nicht! Anklicken, halten und schieben und gut ist es! Bei realAir warte ich auch nicht mehrere Sekunden darauf, daß Schaltung von Außenansicht (F11) auf VC (F9) die Instrumente ablesbar erscheinen - das ist permanent gespeichert und vermeidet manchen peinlichen Schlenker!
    Heute früh kriegte ich in der Phenom mal wieder die Krätze, weil der verdammte Autopilot gerade keine Lust hatte, meine Klicks auf VS und auf HDG zu quittieren. :xxx: Das wird in der Seneca auch kaum besser sein.
    In der originalen Seneca bin ich im Rahmen meiner Flugschulung mehrfach als Pax in der Kabine mitgeflogen (linker Sitz auf Bild 4) und habe das als "blöde" Sitzhaltung empfunden. Die Sitzfläche war keineswegs so hoch, wie sie auf der Abbildung erscheint - ich hatte dauernd Last, meine Unterschenkel irgendwo zu verstauen.

    Grüsse aus dem Lipperland von Werner

  • Bezüglich der Kabine sind ja die meisten 2-Mots im echten Leben Sardinenbüchsen :D. Aber die 6-jährigen finden es noch riesig... ;)


    Das mit dem Drehknopf empfinde ich eigentlich als sehr gut gemacht. Carenado hat da diese 3D-Knob-Geschichte eingeführt. Sobald man mit der Maus am Knopf ist, zeigt sich ein grüner Kreis um den Knopf. Nun kann man mit dem Mausrad völlig stressfrei die passenden Werte reindrehen. Da hatte ich auch noch nie einen Hänger bisher.


    Bei RealAir gefällt mir in der etwas sterile Look im Cockpit nicht. Das zieht sich schon ewig so durch, wenn ich damals an die Scout oder Citabra denke. Zwar sind die Gauges an sich schon toll (v.a. zu FS9-Zeiten), aber das Flair eines Carenado-Cockpits kriegen die bei RealAir nicht hin. Bei mir "fliegt das Auge mit"! :haha:

  • Mit den Sardinenbüchsen hast Du natürlich Recht - aber das war bei Piper immer schonbesonders ausgeprägt. Sieh Dir mal die Cessna 310/410 an!
    Der 3D-Knopf bei Carenado ist wirklich ausgezeichnet. Mein Problem ist da eher die Einstellkontrolle auf einem anderen Panel und bei unerwrteten Flugzeugbewegungen der komplette Kontaktverlust. Gegenüber den vorherigen Klickspots ist das allerdings ein Siebenmeilen-Fortschritt!
    Beim Flair des Carenado-Cockpits kann ich Dir sofort zustimmen - aber die sicherere Handhabung der RealAirs wiegt für mich schwerer.
    Heute Früh habe ich einen Flug von EDLE nach ENBR mit der Phenom abgebrochen wegen der Reaktionsverweigerung des AP. Den Flug will ich gleich mit der Turbo Duke unternehmen: 1600 km, ca. 2 Stunden. Bis FL 260 will ich raufgehen. Es ist eine große Teilstrecke über Wasser dabei - da werde ich mal R+ auf 4x hochdrücken... :haha: Privileg des Flusilanten! :d055:

    Grüsse aus dem Lipperland von Werner

  • Das mit den etwa 2 Stunden war für die Phenom - da hatte ich schon wieder nicht mehr dran gedacht...reale Flugzeit ohne R+. Das habe ich aus dem FSX-Flugplan. Ist aber auch recht optimistisch: 800 km/h GS Durchschnitt. So schnell ist die Phenom wohl auch nicht. Bei reinem Ostkurs und etwas höher rauf ginge das aber wohl!
    Edit:
    nach etwa eineinhalb Stunden hatte ich mit der Turbine Duke einen Geschwindigkeitsdurchschnitt um die 260 kts.GS bei Spitzenwert von 293 kts. und habe den Flug dann wegen Eintönigkeit beendet. Insgesamt hätte ich damit etwas über drei Stunden gebraucht.
    Der Flug sollte ursprünglich dazu dienen, die neue Bergen X Software anzusehen. Jetzt flieg ich doch lieber mal von Stavanger aus dahin! :redface::zip:

    Grüsse aus dem Lipperland von Werner

  • Und schwups: schon gibt es das erste Service-Pack.


  • Soeben stolper ich am 2W3 Swanson Airport über diese Seneca V .... und finde das sieht gut aus...
    Airport und Aircraft im P3D V23


    [youtube]YX8Hchn82x0[/youtube]


    .... und irgendwie lockt mich die Seneca V ... da werden Erinnerung an laaaange zurückliegende Flusizeiten wach, das war ... schon lange her :chin:

  • Inzwischen ist das SP 2 für die Seneca erschienen, allerding gab es wohl nur wenig zu fixen:



    Download wie immer nach Login in den eigenen Account auf der Website von Carenado.