Bugatti 100P für den P3Dv4.4+

  • Hier zeige ich mal, wie eine Weiterentwicklung der 100P im P3D mit PBR aussehen könnte. Das Model selber stammt aus den FS9-Zeiten von William "Bill" Ortis aka Lionhart Creations. Auf meine Bitte hin hat es Ulrich Esser geschafft, aus dem alten MDL8-Modell ein zumindest in der 64-Bit-Umgebung sichtbares Modell zu zaubern. Was mich nicht davon abgehalten hat, es mit ziemlichen Aufwand zu verfeinern, neue Materialien und Texturen zu erstellen und das Ganze gleich mit PBR zu versehen. Das Repaint ist die N110PX, einer 1:1 Replik, die auf ihrem dritten Flug 2016 abgestürzt ist. Projektleiter Scotty Wilson kam dabei tragischerweise ums Leben.


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    Was Wiki weiss:


    "Bereits während des 1. Weltkriegs hatte Bugatti Motoren für Flugzeuge gebaut, doch ging er für den Entwurf eines kompletten Modells im Jahr 1936 eine Kooperation mit dem belgischen Ingenieur Louis de Monge ein. Ein erstes Projekt, die einmotorige Bugatti 100, war für die Teilnahme am Coupe Deutsch de la Meurthe des Jahres 1938 vorgesehen, doch entsprach es nicht den Vorstellungen von Ettore Bugatti und wurde schnell wieder eingestellt.


    Als Nachfolger wurde die Bugatti 100P entworfen, die sehr viel mehr den Wünschen Bugattis entsprach. Bei einer Spannweite von 8,235 m und einer Länge von 7,7 m verfügte die Maschine über zwei Motoren von etwa 450 PS, die je einen der beiden gegenläufigen konzentrischen Propeller antrieben. Die geplante Geschwindigkeit sollte bei über 800 km/h liegen. Das Flugzeug verfügte über weitere bemerkenswerte und teilweise durch Bugatti patentierte Merkmale wie Holz-Verbundbauweise und ein Y-förmiges Leitwerk. Der Bau wurde 1938 begonnen, verzögerte sich aber aufgrund des 2. Weltkrieges und wurde letztendlich nie abgeschlossen.


    Das Original ohne die Motoren wird heute im EAA Airventure Museum in Oshkosh ausgestellt. Eine private Gruppe arbeitete ab 2009 an einem Nachbau, der am 19. August 2015 in Tulsa zum Erstflug abhob. Am 6. August 2016 kam es beim insgesamt dritten Flug der Replik wenige Sekunden nach dem Abheben zu einem Absturz, bei dem der Pilot ums Leben kam und das Flugzeug ausbrannte."


    Nun bin ich an einem Punkt - mache ich weiter? Ist so ein Teil mit 82-jähriger Luftfahtsgeschichte für Euch zu exotisch?


    Gruß


    Thomas

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  • Ich benötige mal Eure Einschätzung.


    Hier ein leider schlechtes Cockpit-Bild der N110PX Replik, was ich aber zeigen darf. Wahrscheinlich habt Ihr noch nie ein Cockpit-Bild der Bugatti 100P gesehen. Das Teil ist ja eine echte 2-Mot. Hinter dem Cockpit sind beide Motoren reihenförmig angeordnet. Doch anders als bei der Do-335 werden beide Propeller über Kardanwellen nach vorne versorgt. Um das extreme Drehmoment auszugleichen, laufen die Propeller gegenläufig. Die beiden Wellen liegen unter den linken und rechten Abdeckungen im Cockpit. Ein spezielles Getriebe vorne überträgt die Kraft der beiden Motoren dann über zwei ineinander liegenden Wellen auf die Propeller.

    Da das Original mit den beiden 8-Zylinder Bugatti Motoren mit jeweils 450 PS niemals flog, existieren daher leider keine Bilder des finalen Cockpits. Pläne sind aber vorhanden. Die N110PX ist zwar mit der Grundausstattung und Baugröße des Originals identisch, hatte aber zwei 4 Zylinder-Suzuki-Motoren mit nur 200 PS, die von der Bedienung her und von den fliegbaren Leistungsdaten völlig unterschiedlich sind. Die N110PX hatte keine Lichter, keine Nav-Avionik und IMHO nur ein kleines Funkgerät, dass irgendwo verbaut war - ein echtes Experimental-Flugzeug eben.


    Die Replik N110P hatte keine Mixture-Hebel, konnte rechnerisch wohl auch nur bis etwa 200 KIAS fliegen. Die Motoren wurden mit einem Start-Knopf angelassen, nach dem Warmlaufen dann über eine Kupplung mit der jeweiligen Propellerwelle zugeschaltet. Den Rest machten die Leistungshebel. Ähnlich das Original, nur das hier Mixtur-Hebel vorgesehen waren. Propellerverstellung hatten weder das Original noch die Replik. Dafür aber beide Flaps und Speedbrakes, die hocheffizient arbeiteten.



    Also, was haltet Ihr von der Idee einer "moderneren" Bugatti 100P, die zwar das Main-Panel-Design der Replik hat, aber auch NAV-Lichter, Radios oder Nav-Instrumentierung, die die N110PX nie hatte. Aber die enormen Leistungsdaten des Originals und die Bedienung der Motoren?


    Gruß

    Thomas

  • ... da schließ ich mich an, es reizt mich mal eine 16 Zylinder Maschine zu fliegen.

    [OT]

    Das Thema gegenläufige Propeller war für mich schon zu RC Modellflugzeiten sehr reizvoll ... wenn auch nicht mit 16 Zylindern :yep

    Damal hatte ich eine RC Trall (von Top) und habe das mit gegenläufigen Motoren realisiert.

    Ist natürlich mit an den Tragflächen montierten Motoren noch wirksamer als wenn sie auf eine Rumpfspitze wirken.

    [/OT]

    Spannendes Projekt Thomas :cool

  • Für mich ist es ein Funflyer, es war und ist (nur) ein Experimentalflieger und kein Reiseflugzeug. Halt ein echtes VFR-Gerät ohne NAV "Schnick-Schack" . Der ist in meinen Augen auch garnicht nötig. Somit kann ich Markus auch nur zustimmen. Und damit auch Originalgetreu.

  • Mit der 100P geht es nun modellseitig los.



    Ihr seht außer dem neuen Main Panel erstmal nicht viel. Viele alte Dinge habe ich ausgebaut. Die Holzverkeidung des Rumpfes wurde texturmäßig angepasst. Ist ein Balsa-/Rosenholz-Verbund. Kaum zu glauben, aber wahr.


    Wenn Ihr Lust habt, dann lasse ich Euch wieder an den Entwicklungsschritten teilhaben.


    Gruß


    Thomas

  • Die kleine Bugatti hat nun erstmals auch funktionierende Gauges bekommen. Das ist momentan wichtig, um die spezifischen Parameter der beiden Engines darauf anzupassen. Dannach werden die Gauges ggf. neu programmiert und die Texturen angepasst. Nach den ersten Testflügen ist das uralte Airfile schon gar nicht mal so schlecht. Alle Gauges funktionieren und was neu ist, für beide Triebwerke getrennt.


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    Was seht Ihr? Von oben von links nach unten:


    Airspeed Indicator

    Annunciator Display (wahrscheinlich)

    Altitude

    RPM1

    RPM2

    Kompass

    Bank/Roll Indicator


    und dann für beide Triebwerke jeweils links und rechts


    Manifold Pressure (Boost)

    Zylinderkopf Temperatur

    Öldruck

    Öltemperatur

    Fuel Pressure

    Fuel Flow


    Unten in der Mitte ist noch ein sehr wichtiger G-Meter und darüber eine Teibstoffmengen-Anzeige eingebaut.


    Gruß


    Thomas

  • Ja, das sieht ja schon gut aus.

    Gesteuert wird wie im Segler?


    Naja, eher wie ein konventioneller Motorflieger. Hat Landeklappen ohne Vorflügel und interessante Spreiz-Luftbremsen. Ich zeige später mal, wie die funktionieren. Jetzt muss ich erstmal Spargelschälen...


    Gruß

    Thomas

  • ..hatten wir auch gerade! Guten Appetit! :beer

    Ja, war lecker! Ich habe eine selber gemachte Sauce Bearnese dazu gemacht. Dazu gab es in Butter geschwenkte Petersilien-Kartoffeln und diesmal nur Lachsschinken.


    Zur Bugatti - nun sind auch Wellenabdeckungen und Sitzschale drin. Außerdem die Hakentexturen für die Cockpitabdeckung. Die Sitzschale ist noch nicht fertig - hier bin ich noch nicht zufrieden. Aber ein Bild zeige ich trotzdem. Ansonsten habe ich noch neue Tanks eingebaut, aber jetzt werden die gesamten Gauges nicht mehr angezeigt. Werde ich morgen fixen.



    Gruß


    Thomas

  • So, die Gauges werden wieder angezeigt, war kein großes Ding.


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    Hier das neue, fast fertige Main Panel, die Anpassungen der grün, gelb und roten Triebwerksbereiche lassten sich auch später nach der finalen Fassung des Airfiles richten.


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    Ich bin Euch ja noch die Spreiz-Luftbremsen schuldig. Momentan gehen sie nur über die Spoiler-#-Taste an und aus. Macht bei >400 KIAS natürlich wenig Sinn. Der Entwurf sah hier automatisch arbeitende Luftbremsen vor, die Geschwindigkeitsabhänig funktionen. Die unteren Spreizklappen sind auch die Landeklappen. Funktionieren unabhängig von einander oder in Kombination bei gesetzten Landeklappen.

    38231092hg.jpg
    Und hier noch schönes Bild aus 15.000 ft Höhe, da geht der kleinen Bugatti ohne Mixture-Hebel schon recht schnell die Puste aus, soll heißen: Die Leistung geht ordentlich runter.


    Jetzt baue ich am Cockpit weiter. Stick, Ruderpedale, Hebel für Fahrwerk, Klappen und Bremsen, verlegte Kabel und die Seiten-Gauges wollen auch noch erstellt werden.


    Gruß


    Thomas

  • Die 100P wird auch voll P3DV5 kompatibel sein - da bin ich mir heute nach der Ankündigung schon sicher.


    Jetzt habe ich mir das Airfile einmal genauer angeschaut. Alles ist schonmal ganz gut umgesetzt, was die Bugatti-Motoren mit jeweils 450PS sowie die geometrischen Daten wie Leitwerke, Steuerflächen etc. betreffen. Soweit ich das beurteilen kann.


    Interessant ist ein P3Dv4.5-Nachflug des dritten Fluges der originalen Replik, der ja zu dem tragischen Absturz geführt hat. Der Flug wurde gut dokumentiert und aufbereitet, auch die NTSB hat ihren Abschlußbericht Ende 2017 veröffentlicht. Zur Ursache des N110PX-Teams, das ich hier teilen darf:


    "Es ist klar, dass es einen Leistungsverlust am vorderen Propeller gab, dies wird durch die GoPro-Kameras, die im Cockpit montiert waren, dokumentiert und stimmen mit den Augenzeugenberichten überein. Nach der Analyse des Cockpit-Videos, des externen Videos und des Wracks ist die einzige vernünftige Schlussfolgerung, dass der Leistungsverlust im vorderen Antriebsstrang (des Motors) die Folge eines Kupplungsausfalls im vorderen Motor war."


    Im Simulator: Nach dem Abheben mit 90 knots kompletter Leistungsverlust des Triebwerkes durch Hebel nach hinten provoziert. Fahrwerk fährt ein und nach 2 Sekunden unterhalb 70 knots gekommen. Steigrate ging auf Null. Höhe etwa 100 ft über Grund. Ein kompletter Stömungsabriss kam dann bei 65 Knoten. Mit dem Ergebnis, dass die 100P sofort nach links ausbrach und mit dem Bug voran nach einer schnellen Drehung um die Längsachse mit fast 160 Grad auf dem Boden aufschlug. Genau dieses Verhalten ist im Abschlussbericht nachzulesen. Bei dem Nachflug war es interessanterweise unerheblich, dass die Motoren im P3Dv4.5 deutlich mehr Leistung bringen als das Original.


    Es mag zwar zynisch erscheinen, aber das ist für mich ein erster Hinweis darauf, wie gut oder wie schlecht ein Airfile im Simulator ist. Es gibt ja keine verfügbaren Tabellen oder andere Quellen, weder für das Original oder der geflogenen Replik.


    Gruß


    Thomas