Flugneuling mit einem Haufen Fragen

  • Hallo liebe Flieger,


    Ich hab vor knapp 2 Wochen und zu viel Zeit Dank Corona Homeoffice mir einen joystick mit throttle gegönnt und flieg aktuell schön mit der Cessna durch die Lande ( Flughafen zu Flughafen). Es wird auch mittlerweile immer besser (Grade so Landungen neben dem streifen kommen nicht mehr vor ;) )


    Jedoch ergeben sich je mehr ich mich beschäftige mehr und mehr Fragen welche ich jetzt einfach Mal gesammelt Stelle:


    - am Ende der Funksprüche endet es öfters Mal mit Dingen wie "... With Mike/Lima" ich könnte da leider nix finden was das zu bedeuten hat.

    - ein Tower hat n "flight pattern left hand" beim Landeanflug gefördert. Der Ablauf davon ist mir geläufig, jedoch weiß ich hier nicht wie groß das pattern ausgeführt werden soll (ich hab auf Monitor 2 das GPS offen)

    - bei landeanflügen ohne ILS verschätze ich mich oft in der Höhe und bin schon im Anflug zu hoch. Gibt es da irgendwelche Tipps, außer nach Bauch Gefühl tiefer fliegen?

    - da ich die Realität auf fast Maximum habe Stelle ich fest dass beim Start und im Flug Ruder und Lagekorrektur dauernd notwendig sind (immer auf Autopilot ist nicht was ich will). Kann ich hier auch wie bei der Höhe wärend des Flug trimmen?


    Vielen Dank erstmal

    Bernhard

  • Moin Bernhard und herzlich willkommen bei den VFR-Flightsimmern. Eine Menge Fragen, der Reihe nach. Die Funksprüche betreffen das automatische Terminal Informations System ATIS. Diese Funksprüche informieren automatisch praktisch als Dauerschleife über das aktuelle Wetter am Flugplatz, welche Landebahn in Betrieb ist etc.. Die Meldungen werden alle 30 Minuten aktualisiert und mit Buchstaben bezeichnet. Nach Meldung Alpha kommt Meldung Bravo, dann Charlie usw.. "With Lima" bedeutet, dass ich die ATIS-Meldung Lima empfangen habe.


    Der Landeanflug im Sichtflug wird in der Regel als Platzrunde (pattern) geflogen: Einflug im Gegenanflug, dann der Queranflug und schließlich der Landeanflug. Man fliegt die Platzrunde so dicht an der Landebahn, dass man diese immer in Sicht hat und so die eigene Flughöhe abschätzen kann.


    Beim Landeanflug helfen auf größeren Flugplätzen die roten oder weißen PAPI-Lichter rechts oder links neben der Landezone: red-white and you are right, white-white you are to high, red-red and you are dead. Ansonsten hilft nur: üben!


    Der Drall beim Startlauf bei Propellermasschinen kommt durch das Drehmoment der Luftschraube zustande. Hier hilft nur Seitenruder, getrimmt wird erst, wenn Du in der Luft bist.

  • Auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Im Bezug auf die Landehöhe kann ich dir noch empfehlen dir die Anflugkarten deiner Flughäfen zu besorgen, dort stehn alle wichtigen Informationen drin. Musst für den Anfang kein Abo bei Navigraph oder Luftweich(Navdata) machen. Einfach ein bisschen Googeln dann findest schon was für den Anfang.


    Es ist am Anfang halt brutal viel was da auf ein einprasselt, auch Erweiterungen gibts mittlerweile ohne Ende.Aber wichtig ist das du erstmal frei nach schnauze fliegst so wie es dir Spaß macht, dann kommt alles andere fast von alleine dazu und man wird sich auch mehr oder weniger in die IFR oder VFR Ecke stellen.

    Sebastian


    Mal verlieren wir,mal gewinnen die anderen.

  • Hallo ihr 2 vielen Dank für die anfänglichen Infos.


    Der besagte Funkspruch, war einer von Flugzeug zu Tower. Bin mir sicher dass es kein atis Funk war. Sobald ich den wieder Mal sehe nach ich einen Screenshot.

    Die Papi Lichter kenne ich. Sind super praktisch, aber ohne die ist nicht ganz ohne. Hab immer die Tendenz zu hoch rein zu kommen. Da Drech ich aber lieber nochmal ne Runde und setze neu an. Da mit gewalt nach unten kann keine gute Idee sein 😂.

    Ist vermutlich tatsächlich nur ne Sache der Übung.


    Mit dem drall muss ich mir dann keine Sorgen machen. Lieb ich richtig dass sich das mit 2 motorigen nachgingen dann gibt? ( Sofern da Propeller gegenläufig laufen)


    Nochmals vielen Dank für die Hilfen. Wegen dem Funkspruch melde ich mich noch und ansonsten erstmal schönes Wochenende zusammen


    Bernhard

  • In der Praxis gibt es PAPI und VASI (Unterschied: die einen stehen nebeneinander, die anderen hintereinander). Falls Du Dich noch im metrischen System orientierst, gibt es eine einfache Faustregel: Flughöhe x 2 = Entfernung in km, wann Du mit dem Sinken beginnen musst...also in Fuss so zwischen 600-800 ft/min (also Variometer und Geschwindigkeit beachten). Die Schwierigkeiten können durch einen Joystick noch verstärkt werden. Der einzige, der aus meiner Sicht wirkliche Steuerbewegungen der sehr feinen Art zulässt, ist der Thrustmaster Warthog (65.000 Messpunkte, er arbeitet mit Hall-Sensoren...)

    Was die zweimotorigen betrifft, liegst Du nicht richtig, denn die Schulungsreihenfolge in der Realität ist nicht umsonst:

    - einmotorig (Ohne/Mit Prop-Verstellung)

    - dann erst mehrmotorig


    Du darfst nicht ausser acht lassen, was Markus geschrieben hat, Du hast dann zwei Kreisel, schön weit weg vom Schwerpunkt (bei Anbringung an der Tragflächen), und damit mit unheimlicher Hebelkraft bei Triebwerksausfall und dann noch das Thema des Fahrens der Propeller in Segelstellung bei einem Triebwerksausfall...das muss man erst mal lernen.

  • Wenn du am PAPI 2 rote und 2 weiße siehst, kannst du anhand einer kleinen Faustformel errechnen, wie groß deine Sinkrate sein muss.


    Geschwindigkeit (Knoten) / 2 x 10 = Sinkrate (Fuß/Minute)

    Beispiel:

    140kts / 2 x 10 = 700 ft/min

    100kts / 2 x 10 = 500 ft/min

    080kts / 2 x 10 = 400 ft/min


    Landungen auf Sicht ist Erfahrung. Tipp von mir: Versuche deinen Blickpunkt auf den Anfang der Landebahn zu legen und fliege darauf zu.

    Gruß Steffen Z.


    Hui Wäller? Allemol!

  • Es ist wirklich fast 100% Erfahrung, landen, landen landen.

    Ich mache mit den Steuerhorn bei Landung fast gar nichts, sondern nur mit der Trimmung. Ich finde auch, ein Steuerhorn ist bei VFR nicht durch einen Stick zu ersetzen. Stick schließe ich nur bei Hubi an. Und bei dem habe ich die Federn 100% entschärft- X52)

    Wichtig ist auch, das man beim Klappen setzen, den Flieger erst mal Zeit lässt sich wieder einzupendeln und nicht gleich wild gegensteuert, sonst ist die ganze Landekonfiguration im Eimer oder es kommt Hektik auf.

    Letztlich ist es wie beim Autofahren. Die Instrumente sind Mittel zum Zweck. Bei VFR Sicht gehört der Blick nach draußen und nur zur Kontrolle immer kurz auf die Instrumente.

  • Der besagte Funkspruch, war einer von Flugzeug zu Tower. Bin mir sicher dass es kein atis Funk war.

    Das ist auch richtig so. Damit bestätigt der Pilot, dass er die aktuelle ATIS-Meldung empfangen hat. "...with LIMA" an den Tower besagt, dass der Pilot aktuell die Meldung LIMA abgehört hat und kennt. Wenn das die aktuelle Meldung ist, ist alles okay. Wenn aber inzwischen die nächste Aktualisierung MIKE rausgekommen ist, kann der Tower den Piloten darauf hinweisen, dass er eine veraltete ATIS-Meldung gehört hat und sich bitte nochmal auf der ATIS-Frequenz die Meldung MIKE anhören soll.

  • Hey Bernhard,


    ich würde dir pi mal Daumen folgendes empfehlen: Suche dir die Platzhöhe deines Flugplatzes in Fuß heraus (z.B. im Internet) und versuche ca. 3 nm vor dem Flugplatz auf einer Höhe 1000 ft über der Platzhöhe zu sein. Dann schön die Platzrunde fliegen (für den Anfang immer links herum, dann kannst du den Platz sehen). Beim Eindrehen Richtung Landebahn solltest du schon einigermaßen langsam sein und zumindest schonmal eine Klappenstellung haben. Dann merken und üben üben üben: Mit dem Gashebel regelst du deine Sinkgeschwindigkeit, mit dem Trimmer deine Fluggeschwindigkeit. Das kannst du auch in etwas größerer Höhe einfach mal in der Luft üben. Einfach mal auf 70-80 Knoten verlangsamen (in der Cessna) und dann schauen, was sie macht. Irgendwann bekommt man ein Gefühl dafür.


    Viele Grüße

    Daniel

    Beste

    Daniel


    i7-7700K, 16GB, Geforce 1060 6GB